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CSI: Uni Köln – Spielend lernen

Ein Detektivspiel vermittelt angehenden Mediziner*innen Grundwissen in Biologie

Eine BWL-Studentin wird bewusstlos in ihrer Wohnung gefunden und ins Krankenhaus eingeliefert. Kurz drauf stirbt sie. Die Schwester der Toten glaubt nicht an einen natürlichen Tod, die Polizei sieht jedoch keinen Anfangsverdacht. Ein Fall für die Biodetectives!

Von Anna Euteneuer


Biologie, Chemie, Physik und Co. Diese Fächer stehen auch im Medizinstudium auf dem Lernplan und sind Teil des Fundaments für das medizinische Verständnis. Um Medizinstudierenden im ersten Semester Biologiegrundwissen besser zu vermitteln, hat die E-Diaktik des Instituts für Zoologie unter der Leitung von Dr. Anette Ricke ein Serious Game entwickelt. »Ich hatte schon lange die Frage im Kopf, warum Menschen stundenlang vor dem Computer sitzen und spielen, aber nicht genauso konzentriert über einen langen Zeitraum lernen können«, sagt Ricke.

Serious Game – Ein Spiel mit ernsthaftem (Lern-)Ziel. In einem solchen Spiel werden gezielt bestimmte Inhalte oder Kompetenzen vermittelt – vor allem in Kontexten, in denen Spielen und Lernen oft als Gegensätze verstanden wurden und werden.

Der Mensch ist fasziniert von Spielen und taucht gerne in fremde Welten ab. Die Gaming- Branche boomt. Für das Jahr 2023 wird in Deutschland mit einem Umsatz von über zehn Milliarden Euro gerechtet. Warum also nicht auch ein Spiel für die Lehre entwickeln? Hier an der Universität natürlich ohne den kommerziellen Gedanken. Das Ziel vor Augen, Medizinstudierenden spielend die biologischen Grundlagen zu vermitteln, schaffte das fünfköpfige Team um Dr. Ricke innerhalb von acht Monaten ein Spiel, das im Multiplayer- Modus von Studierenden gespielt werden kann. Die Teilnehmer*innen müssen gemeinsam versuchen, einen Kriminalfall zu lösen: Die BWL-Studentin Jette ist nach Angaben des Krankenhauses an einer Infektion gestorben. Ihr Impfpass weist jedoch keine Lücke auf und sie schien gesund und fit zu sein. Mit ihrem Freund hat sie regelmäßig Karate trainiert. Ihr mysteriöser Tod wirft viele Fragen auf, denen die Biodetectives im Spiel nachgehen. Sie befragen dazu Personen, sammeln Beweisstücke und führen Laboranalysen durch, um den geheimnisvollen Erreger zu identifizieren. Die Zeit drängt jedoch, da der Freund der Toten auch erkrankt ist.

Auch weil der Kurs kein Pflichtprogramm ist, müssen Anreize für die Studierenden geschaffen werden, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Um den Studierenden entgegenzukommen, kann das Spiel zu jeder Zeit im Semester gestartet werden. Erlernt werden Fähigkeiten der Humangenetik, Bakteriengenetik und Mikrobiologie. »Mindestens ein Spielender sollte sich mit einem der Themenfelder im Vorfeld beschäftigen, damit das Team das Spiel am Ende erfolgreich meistern kann«, sagt Dr. Birgit Seyberlich, eine der Mitentwicklerinnen. »Fehlt das Wissen eines Kompetenzfeldes, wird es für die Gruppe schwierig, die anspruchsvollen Rätsel zu lösen.«

Genau das ist in der Spielgruppe von Tatjana Roth passiert. Die Medizinstudentin hat im Sommersemester 2022 mit Kommilitonen Biodetectives gespielt. An einer Stelle kam sie ihrer Frustrationsgrenze nahe, da ein Mitspieler sich frühzeitig ausloggen musste. Das Spiel ist so konzipiert, dass man gemeinsam an dem Kriminalfall arbeitet. »Wir wollten den Studierenden mit dem Spiel in Pandemiezeiten auch einen digitalen Raum für Austausch schaffen«, erzählt Seyberlich. Insgesamt steigert das Spiel nicht nur das Wissen in der Biologie, sondern auch weitere Kompetenzen, die für angehende Ärztinnen und Ärzte wichtig sind: Diagnosestellung, Kooperation mit Kollegen anderer Fachbereiche und Entwicklung des Lösungsansatzes bzw. des Behandlungsplans. Das Detektivspiel an sich eignet sich hier besonders als Metapher für Mediziner*innen.

Doch auch, wenn man einmal nicht weiterkommt, gibt das Entwicklerteam Tipps. Das Spiel soll schließlich Spaß machen und nicht frustrieren. »Mir hat das Spiel Freude bereitet, besonders fand ich den Teamaspekt gut! Bestimmt kann ich einiges in der Zukunft anwenden«, so Roth. Zudem lässt das Spiel einen Blick über den Tellerrand des Medizinstudiums zu und weckt durch den forensischen Einschlag auch erste Interessen an der Rechtsmedizin. »Bilder und vorgegebene Krankheitsgeschichten helfen mir Zusammenhänge herzustellen, folgend die gelernten Informationen besser zu verknüpfen und im Kopf zu behalten«, sagt Roth. Auch Studien zeigen, dass Gamification den Lernprozess sehr unterstützen und zu einer Motivationsund Leistungssteigerung der Studierenden führen kann.

Gamification – Dieser Trend bedeutet die Anwendung spieltypischer Elemente wie Punktevergabe, Wettbewerb mit anderen oder Spielregeln in einem spielfremden Kontext.

Mit dem Biodetectives-Spiel hat die Uni Köln ein innovatives Lehrkonzept entwickelt und etabliert. Im letzten Jahr wurde es daher mit dem delina Innovationspreis für digitale Bildung ausgezeichnet. Auf der LERNTEC, Europas Leitmesse für digitale Bildung, hat Biodetectives den dritten Platz in der Kategorie Hochschule belegt. Obwohl das Modul kein Pflichtmodul im Studium ist, schlüpfen 15 Prozent der angehenden Mediziner*innen in die Rolle der Ermittelnden und lösen den Kriminalfall. Auch Tatjana Roth und ihr Team hatten viel Spaß, haben das spannende Spiel am Ende gemeinsam gemeistert und konnten den Tod der Studentin erfolgreich aufklären.