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Das feministische Kunstprojekt SOLANGE ist an der Universität zu Köln

Wie lange werden wir Feminismus noch brauchen? In unverkennbaren und großformatigen Sätzen, die mit „Solange“ beginnen und mit „bin ich Feminist:in“ enden, verarbeitet die renommierte österreichische Künstlerin Katharina Cibulka diese Frage in ihren Kunstwerken, die bereits in zahlreichen Städten wie Innsbruck, Rabat, Wien, Bregenz, Ljubljana und Freiburg zu sehen waren und für viel Gesprächsstoff gesorgt haben.

SOLANGE versteht sich als partizipatives feministisches Kunst-Projekt im öffentlichen Raum, bei dem Themen vor Ort aufgegriffen und in einem SOLANGE-Satz verdichtet werden. Werkzeug ist ein zwei- bis vierhundert Quadratmeter großes Kunstwerk – ein handbesticktes Staubschutznetz auf Baustellen. Mit Kabelbinder und Tüll bestickte Staubschutznetze werden auf Gerüste an Baustellen montiert.

In diesem Jahr geht die Universität zu Köln auf Initiative der Gleichstellungsbeauftragten und mit Unterstützung des Rektorats eine Zusammenarbeit mit der Künstlerin ein. An einem Baustellengerüst des Hauptgebäudes Richtung Grüngürtel hängt seit heute eine feministische Botschaft, gestickt in pinken Buchstaben:

„SOLANGE WIR UNS BEULEN AN GLÄSERNEN DECKEN HOLEN, BIN ICH FEMINIST:IN“.

Nach einer Auftaktveranstaltung am 29. April 2022 ging Katharina Cibulka gemeinsam mit ihrem Team und Mitgliedern der Universität zu Köln in einen Prozess, um den spezifischen Satz für die Universität zu Köln zu erarbeiten. Mit dem gemeinsam mit der Universität zu Köln entwickelten Satz wird der sogenannte „glass ceiling effect“ von der Künstlerin thematisiert: Hoch qualifizierte Frauen: stoßen auf ihrem Karriereweg noch viel zu oft an unsichtbare Hürden, die ihnen den Zugang zu hochrangige Positionen erschweren oder ganz verwehren.

 „Wir beginnen unter ähnlichen Voraussetzungen, maturieren, studieren, schneiden oft sogar mit besseren Noten ab“, beschreibt die Künstlerin das Phänomen. „Wir beginnen zu arbeiten, zu planen, Visionen für unser Leben zu entwickeln. Doch an gewissen Punkten bemerken wir plötzlich, wie uns männliche Kollegen überholen. Wir stellen fest, dass sie nicht nur mehr verdienen, sondern zusätzlich Firmenauto, Firmenhandy und Boni erhalten. Wir fragen uns: Was habe ich falsch gemacht? Habe ich etwas übersehen? Habe ich schlecht verhandelt? Wir beginnen, an uns zu zweifeln. Ganz offensichtlich gibt es Hürden, die man nehmen müsste, aber nicht sieht; Gläserne Decken, an denen wir uns Beulen holen, weil wir plötzlich dagegen stoßen, unvermutet. Niemand hat uns gewarnt, niemand hat uns darauf vorbereitet. Wir waren doch überzeugt, absolut gleichberechtigt zu sein!“

„Wie also die Gläsernen Decken durchbrechen?“, lautet die zentrale Frage. Ein Ziel von SOLANGE ist, übergroß und leuchtend pink im öffentlichen Raum auf Missstände und Schieflagen aufmerksam zu machen. Der aktuelle Satz auf der Fassade der Universität soll in- und außerhalb der Institution Diskussionen in Gang bringen, für das Ungleichgewicht bei (universitären) Karrieren sensibilisieren und Denkanstöße für eine Neuorientierung liefern.

„An der Universität zu Köln zeigt sich anhand interner Aufzeichnungen ganz deutlich, wo diese unsichtbare Barriere zu verorten ist. Bis zur Promotion sind Frauen und Männer gleichauf, dann beginnt sich die Schere weit zu öffnen. Auf der Ebene der Voll-Professuren sind dann nurmehr 27 Prozent Frauen zu finden, die 73 Prozent Männern gegenüberstehen“, so Katharina Cibulka. „Das kann wohl kaum mit mangelndem Talent, Wissen oder Ehrgeiz erklärt werden. Da spielen ganz andere Faktoren eine tragende Rolle.“

„Ich freue mich sehr, dass uns eine Zusammenarbeit mit der renommierten Künstlerin Katharina Cibulka gelungen ist“, so Annelene Gäckle, die Gleichstellungsbeauftragte der Universität zu Köln, die das Projekt mit ihrem Team und mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Dezernat für Gebäude- und Liegenschaftsmanagement realisiert hat. „Das Kunstprojekt SOLANGE rückt sehr sichtbar Gleichstellungsfragen der jeweiligen Institution in den Blick und regt zur inhaltlichen Auseinandersetzung und kontroversen Diskussionen an. Die Wissenschaft steht für sachlich und inhaltlich klug geführte Kontroversen. Wir laden an dieser Stelle alle Universitätsangehörigen und alle Kölner:innen ein, sich ihre eigenen Gedanken zu dem Satz zu machen. Tauschen wir uns darüber aus, wo wir an ‚gläserne Decken‘ stoßen und mit welchen Maßnahmen wir mehr und mehr Öffnungen in diese schneiden können, bis sie zerbrechen."

Das Netz ist voraussichtlich bis zum Ende des Jahres an der Rückseite des Hauptgebäudes der Universität zu Köln zu bestaunen.

Informationen zur Künstlerin und zum Projekt SOLANGE gibt es auf:

https://www.solange-theproject.com/ und unter www.gb.uni-koeln.de

 

Kontakt:

Universität zu Köln
Annelene Gäckle
Gleichstellungsbeauftragte
0221 470 4830
gleichstellungsbeauftragteSpamProtectiongb.uni-koeln.de