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Präsentismus - Ein unterschätztes Risiko

In den häufigsten Fällen wird sich bei der Fehlzeitenanalyse in Unternehmen und Organisationen lediglich auf den Absentismus, also die krankheitsbedingten Fehlzeiten von Mitarbeiter*innen konzentriert. Doch neben dem Absentismus stellt auch der Präsentismus einen erheblichen Kostenfaktor und eine große Herausforderung für Arbeitgeber*innen und –nehmer*innen dar1. Nicht selten werden die negativen Auswirkungen des Präsentismus unterschätzt beziehungsweise gar nicht erst berücksichtigt. 

Was ist Präsentismus überhaupt? 
Präsentismus beschreibt die Situation, wenn Arbeitnehmer*innen trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen und somit einer verminderten Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz erscheinen. Mit anderen Worten: Beschäftigte gehen krank ihrer Arbeit nach. Dieses globale Phänomen tritt unabhängig von demografischen und interkulturellen Merkmalen in unterschiedlichsten beruflichen Tätigkeiten auf2. Dabei kann Präsentismus auf verschiedenen Krankheitsbildern, also sowohl physischer als auch psychischer, chronischer wie auch sporadischer Erkrankungen beruhen.    

Was sind die Gefahren von Präsentismus?
Wer trotz Krankheit zur Arbeit kommt, riskiert eine höhere Fehleranfälligkeit und ein erhöhtes Unfallrisiko aufgrund verminderter Leistungsfähigkeit und Konzentrationsschwächen3. Infolgedessen kommt es mitunter zu erheblichen Produktivitätsverlusten. Außerdem besteht die Gefahr, gesunde Kolleg*innen anzustecken und die eigene Erkrankung zu verschleppen. Dies wiederum führt zu längeren Ausfallzeiten und der Entwicklung von chronischen Krankheiten. Die Folgekosten von Präsentismus für den*die Arbeitgeber*in liegen Studien zufolge höher als solche, die durch Absentismus entstehen4

Wie kommt es zu Präsentismus?
In vielen Fällen ist es ein besonders hohes Verantwortungsgefühl gegenüber Vorgesetzten und Kolleg*innen, weshalb Mitarbeiter*innen krank auf der Arbeit erscheinen5. Je nach Branche oder Berufsfeld wird ständige Präsenz als ehrenwertes Verhalten angesehen bzw. erwartet, obwohl dies zu Präsentismus mit den bereits genannten Folgen führen kann. Weitere Gründe für Präsentismus sind dringende Termine, angehäufte Arbeit und fehlende Vertretungsstrukturen. Außerdem besteht insbesondere bei befristeten Arbeitsverhältnissen oftmals die Sorge, durch Krankmeldungen den eigenen Arbeitsplatz zu gefährden.

 

Literatur:    
1 Graaf, B. (2020). Vermeidung von Präsentismus und Pandemieplanung im Unternehmen. München: Econobooks.
2 Lohaus, D. & Habermann, W. (2020). Präsentismus: Verständnis und Einflussfaktoren. Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation. 1-2020 (109).
3 Amler, N. (2016). Präsentismus - ein unterschätzter Kostenfaktor. ASU - Zeitschrift für medizinische Prävention. 11-2016.
4 Lohaus, D. & Habermann, W. (2018). Präsentismus - Ursachen, Folgen, Kosten und Maßnahmen. Berlin / Heidelberg: Springer.
5 Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) (2019). Ungesundes Verantwortungsgefühl: Wer besonders zu Präsentismus neigt. Zugriff am 28.01.2021 unter https://www.tk.de/firmenkunden/service/gesund-arbeiten/betrieblichegesundheitsfoerderung/ wer-besonders-zu-praesentismus-neigt-2072870