Uni Köln News https://portal.uni-koeln.de/ Nachrichten und Pressemeldungen aus der Universität zu Köln de_DE Universität zu Köln Fri, 07 Aug 2020 11:40:45 +0200 Fri, 07 Aug 2020 11:40:45 +0200 TYPO3 EXT:news news-6225 Wed, 05 Aug 2020 14:08:23 +0200 Familiäre Arbeitsteilung ist in Corona-Zeiten in Bewegung <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6225" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Neue Studie zeigt: Paare haben ihre häusliche und familiäre Arbeitsteilung sehr unterschiedlich an die Herausforderungen der Corona-Situation angepasst. Hat die COVID-19-Pandemie Auswirkungen auf Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern? Darüber wird in den Medien und in der Wissenschaft diskutiert. Professor Karsten Hank vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS) der Universität zu Köln und seine Kollegin Professorin Anja Steinbach von der Universität Duisburg-Essen haben nun die Veränderungen der Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung in Paar- und Familienbeziehungen in Deutschland vor und während der Corona-Krise untersucht.

Der daraus entstandene Artikel ist jetzt im Journal of Family Research veröffentlicht worden. Hausarbeit (mit Tätigkeiten wie beispielsweise Wäsche waschen, kochen, putzen) und die Kinderbetreuung wurden in der Studie separat betrachtet. Hank fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen: „Bereits mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie sind – zum Teil sehr lautstark – Befürchtungen geäußert worden, dass die Krise und ihre Folgen zu einer Rückkehr zu alten Rollenmustern führen und in den vergangenen Jahrzehnten erzielte Fortschritte bei der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern wieder zunichtemachen könnte. Diese Befürchtungen erscheinen angesichts der Befunde unserer Studie weitgehend unbegründet. Allerdings waren auch schon in der Zeit vor Corona in 60 Prozent der von uns befragten Paare die Frauen hauptsächlich oder ausschließlich für Hausarbeit und Kinderbetreuung verantwortlich. Eine in diesem Sinne ‚traditionelle‘ Arbeitsteilung ist also kein neues, Corona-bedingtes typisches Phänomen in Deutschland.“

Die Ergebnisse der soziologischen Studie basieren auf Vorabdaten des bereits seit 2008 laufenden und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Beziehungs- und Familienpanels (pairfam) sowie dessen internetbasierter COVID-19-Zusatzstudie, die einen ersten Einblick in die Dynamiken häuslicher und familiärer Arbeitsteilung bei Paaren in Deutschland im Verlauf der Pandemie ermöglichen. Für die Studie wurden Befragungsdaten von mehr als 3.000 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern im Alter von 19 bis 49 Jahren aus dem Zeitraum von Mitte Mai bis Anfang Juli 2020 herangezogen.

Obwohl sich insgesamt keine grundlegenden Veränderungen etablierter Muster geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung zeigen, gibt es dennoch Hinweise auf gewisse Verschiebungen hin zu den beiden Extremen („traditionell“ und „Rollentausch“) der Verteilung. Hank sagt: „Sowohl der Anteil der Frauen, die ausschließlich für Hausarbeit und Kinderbetreuung verantwortlich sind, als auch der Anteil der Männer, die in der Partnerschaft hauptsächlich oder ausschließlich hierfür verantwortlich sind, ist während der Pandemie angestiegen. Der Anteil der Paare, welche die traditionelle Rollenverteilung aufgegeben haben und in denen der Mann die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinder trägt, ist dabei zwar relativ sehr stark gestiegen, bleibt mit 5 bis 7 Prozent absolut jedoch auf einem immer noch sehr niedrigen Niveau.“

Betrachtet man Veränderungen innerhalb von Paarbeziehungen, finden sich etwa gleich große Anteile an Paaren, in denen der relative Beitrag der Partnerin gestiegen bzw. gesunken ist (jeweils ca. 20 Prozent). Insbesondere in zuvor egalitären Beziehungen haben jedoch Frauen stärker die überwiegende oder gesamte Verantwortung für die Hausarbeit und Kinderbetreuung während der Krise übernommen. Wenn männliche Partner ihren Anteil gesteigert haben, geschah dies meist nur bis zum Schwellenwert einer gleichgewichtigen Arbeitsteilung. Der Hauptteil der Arbeit wurde also selten von Männern übernommen.

Veränderungen im zeitlichen Umfang der Erwerbstätigkeit führten zwar beim Mann zu Anpassungen seines relativen Beitrags zu Hausarbeit und Kinderbetreuung, aber nicht bei der Frau. Anja Steinbach ordnet die Ergebnisse der Studie folgendermaßen ein: „Der Beitrag der Partnerin zur Erledigung von Aufgaben in Haushalt und Familie scheint unabhängig von ihrer zeitlichen Belastung durch Erwerbstätigkeit zu sein, während Männer ihren Anteil an der Haus- und Familienarbeit flexibel anpassen (können), wenn sich ihre Arbeitszeit verändert. Ihr Beitrag erscheint also in der Partnerschaft stärker verhandelbar zu sein, als jener der Frau.“

Außerdem betont Steinbach: „Die in öffentlichen Diskussionen mitunter behauptete generelle Re-Traditionalisierung der Geschlechterbeziehungen während der Corona-Krise lässt sich mit unseren Daten nicht feststellen.“ Vielmehr seien in Paarbeziehungen unterschiedliche Anpassungsprozesse an die veränderten Rahmenbedingungen zu beobachten, die zwar zum Teil tatsächlich zu einer noch stärkeren Übernahme der traditionellen Rolle als Hausfrau und Mutter bei der Partnerin führten, aber eben auch dazu, dass der Anteil der Paare, in denen die traditionellen Rollen getauscht und der Mann mehr Verantwortung für Haushalt und Kinder übernimmt, gestiegen ist. „Nicht COVID-19 ist für das insgesamt eher traditionelle Muster häuslicher und familiärer Arbeitsteilung verantwortlich, das wir heute in Deutschland beobachten, sondern die immer noch stark traditionell geprägten Rollenbilder und institutionellen Strukturen hierzulande“, so Hank.


Inhaltlicher Kontakt:
Professor Dr. Karsten Hank
Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS)
+49 221 470-1789
hankSpamProtectionwiso.uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Sarah Brender
+49 221 470-1700
s.brenderSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Zur Veröffentlichung:
Hank, Karsten & Anja Steinbach. 2020. The virus changed everything, didn’t it? Couples’ division of housework and childcare before and during the Corona crisis. Journal of Family Research. DOI: 10.20377/jfr-488. https://ubp.uni-bamberg.de/jfr/index.php/jfr/article/view/488/438

]]>
news-6223 Tue, 04 Aug 2020 16:35:19 +0200 Rolle von viersträngigen DNA-Strukturen bei Brustkrebs  <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6223" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Neues potenzielles Ziel für personalisierte Medizin entdeckt Vierstrangförmige DNA-Strukturen – bekannt als G-Quadruplexe – haben sich zum ersten Mal bei bestimmten Arten von Brustkrebs als wichtig erwiesen und stellen ein potenzielles neues Ziel für die personalisierte Medizin dar, sagen Wissenschaftler der Universität Cambridge und des Zentrums für Molekulare Medizin Köln (ZMMK) an der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät. Die vielversprechenden Einzelheiten ihrer Studie wurden am 03.08.2020 im renommierten Wissenschaftsjournal Nature Genetics veröffentlicht. 

Im Jahr 1953 verfassten die Cambridge-Forscher Francis Crick und James Watson gemeinsam eine in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie, die zeigte, dass die DANN unserer Zellen eine ineinander verschlungene "Doppelhelix"-Struktur aufweist. Sechzig Jahre später fand ein Team unter der Leitung von Prof. Sir Shankar Balasubramanian und Prof. Steve Jackson, ebenfalls in Cambridge, heraus, dass eine ungewöhnliche viersträngige Konfiguration der DNA im gesamten menschlichen Genom in lebenden Zellen auftreten kann. Diese Strukturen bilden sich in DNA-Regionen, die reich an einem ihrer Bausteine, dem Guanin (G), sind. Wenn ein einzelner Strang der doppelsträngigen DNA herausschleift und sich auf sich selbst zurückfaltet entsteht so einen viersträngigen "Knoten" im Genom. Infolgedessen werden diese Strukturen G-Quadruplexe genannt.

Prof. Balasubramanian und seine Kollegen haben zuvor Sequenziertechnologien entwickelt, mit denen G-Quadruplexe sowohl direkt in der DNA als auch in ihrer natürlichen Form, dem Chromatin, nachgewiesen werden können. Sie haben bereits gezeigt, dass G-Quadruplexe eine Rolle bei der Transkription spielen, einem Schlüsselschritt beim Ablesen des genetischen Codes und bei der Bildung von Proteinen aus der DNA. Von entscheidender Bedeutung ist auch, dass ihre Arbeit zeigte, dass G-Quadruplexe mit höherer Wahrscheinlichkeit in Genen von Zellen vorkommen, die sich schnell teilen, wie zum Beispiel Krebszellen. 

Jetzt hat das Team, zu dem auch Erstautor Dr. Robert Hänsel-Hertsch vom ZMMK an der Uniklinik Köln gehört, zum ersten Mal entdeckt, wo sich G-Quadruplexe in konserviertem Tumorgewebe/Biopsien von Brustkrebs bilden. 

Das Cambridge-Team unter der Leitung von Prof. Balasubramanian und Prof. Carlos Caldas setzte seine quantitative Sequenzierungstechnologie ein, um G-Quadruplex-DNA-Strukturen in 22 Modelltumoren zu untersuchen. Diese Modelle waren durch die Entnahme von Brustkrebsbiopsien von Patienten aus dem Addenbrooke's Hospital, Cambridge University Hospital NHS Foundation Trust, und die anschließende Transplantation und Züchtung der Tumore in Tiermodellen entstanden.

Während des Prozesses der DNA-Replikation und Zellteilung, der bei Krebs auftritt, können große Regionen des Genoms fälschlicherweise mehrmals vervielfältigt werden, was zu so genannten Kopienzahlaberrationen (CNAs) führt. Die Forscher fanden heraus, dass G-Quadruplexe innerhalb dieser CNAs weit verbreitet sind, insbesondere innerhalb von Genen und genetischen Regionen, die eine aktive Rolle bei der Transkription und damit beim Wachstum des Tumors spielen.  

Prof. Balasubramanian sagte: "Wir alle kennen die Idee der doppelsträngigen Doppelhelixstruktur der DNA, aber im letzten Jahrzehnt wurde immer deutlicher, dass DNA auch in viersträngigen Strukturen existieren kann und, dass diese in der Humanbiologie eine wichtige Rolle spielen. Man findet sie in besonders hoher Konzentration in Zellen, die sich schnell teilen, wie zum Beispiel Krebszellen. Diese Studie ist das erste Mal, dass wir sie in Brustkrebszellen gefunden haben".

"Die Häufigkeit und der Fundort von G-Quadruplexen in diesen Biopsien geben uns einen Hinweis auf ihre Bedeutung in der Krebsbiologie und auf die Heterogenität dieser Brustkrebsarten", fügte Dr. Robert Hänsel-Hertsch, der Erstautor der neuen Publikation hinzu. "Wichtig ist, dass die Krebsbiologie eine weitere potenzielle Schwachstelle aufzeigt, die wir gegen den Brusttumor nutzen könnten, um bessere Behandlungen für unsere Patientinnen zu entwickeln".
 
Man geht davon aus, dass es mindestens elf Subtypen von Brustkrebs gibt. Das Team fand heraus, dass jeder von ihnen ein anderes Muster - oder eine andere "Landschaft" - von G-Quadruplexen aufweist, das für die Transkriptions-programme, die diesen bestimmten Subtyp steuern, einzigartig ist. 

Prof. Caldas vom Cancer Research UK Cambridge Institute sagte: "Obwohl wir Brustkrebs oft als eine Krankheit betrachten, gibt es in Wirklichkeit mindestens elf bekannte Subtypen, von denen jeder unterschiedlich auf verschiedene Medikamente reagieren kann. Die Identifizierung des besonderen Musters der G-Quadruplexe eines Tumors könnte uns helfen, den Subtyp des Brustkrebses einer Frau zu bestimmen, sodass wir ihr eine individuellere, gezieltere Behandlung anbieten können.“

Indem man die G-Quadruplexe mit synthetischen Molekülen ins Visier nimmt, kann man möglicherweise verhindern, dass die Zellen ihre DNA replizieren und so die Zellteilung blockieren sowie die Ausbreitung der entlaufenen Zellen an der Wurzel des Krebses aufhalten. Das Team identifizierte zwei solcher Moleküle - eines bekannt als Pyridostatin und eine zweite Verbindung, CX-5461, die zuvor in einer Phase-I-Studie gegen Brustkrebs mit BRCA2-Defizienz getestet wurde.

Die Forschung wurde von Cancer Research UK finanziert.


Originalpublikation:
Hänsel-Hertsch, R et al. Landscape of G-quadruplex DNA structural regions in breast cancer. Nat Gen; 3. August 2020; DOI: 10.1038/s41588-020-0672-8 

Für Rückfragen:
Anja Schattschneider
Redakteurin und Pressereferentin
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presseSpamProtectionuk-koeln.de

]]>
news-6219 Thu, 30 Jul 2020 13:44:47 +0200 „You(r) Study“-Projekt zeigt, wie Studierende digitale Medien nutzen <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6219" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt zum Studieren mit digitalen Medien hat Forschungsergebnisse veröffentlicht Im Verbundprojekt „You(r) Study – Eigensinnig Studieren im ‚digitalen Zeitalter‘“ hat ein Forschungsteam unter Beteiligung der Universität zu Köln untersucht, wie Studierende mit Hilfe von digitalen Medien ihrem Studium einen eigenen Sinn verleihen. Die Leiterin der Kölner Forschungsgruppe, Juniorprofessorin Dr. Sandra Hofhues, hat das Projekt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen der Universitäten Tübingen und Bochum sowie der Technischen Universität Kaiserslautern durchgeführt. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte dreijährige Verbundprojekt „You(r) Study“ ist nun erfolgreich abgeschlossen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ihre aktuellen Forschungsergebnisse in einer Open Access-Publikation veröffentlicht.

Im Rahmen des Verbundprojekts hat das Team von der Universität zu Köln untersucht, wie Studierende mit Medien umgehen und welche teils widersprüchlichen Handlungsmotive der Mediennutzung im Studium zugrunde liegen. Hofhues und ihr Team haben dazu Studierendenbefragungen und Gruppendiskussionen durchgeführt sowie in Kooperation mit weiteren Forschenden Logfiles von universitären Lernplattformen ausgewertet.

Ein zentrales Ergebnis aus den Gruppendiskussionen mit Studierenden an der Universität zu Köln ist, dass digitale Medienangebote der Universität gerade zu Beginn des Studiums zusätzliche Orientierungsprobleme bei Studierenden hervorrufen. „Das Zurechtfinden auf universitären Plattformen und in digitalen Medienangeboten ist zu Beginn des Studiums keine Selbstverständlichkeit“ so Professorin Hofhues. Eine Lösung für diese Herausforderung liege in der Vernetzung der Studierenden untereinander. „Die ‚soziale Dimension‘ nimmt für das ‚Meistern des Studiums’ in der Präsenzuniversität eine zentrale Rolle ein“, so Hofhues weiter, „der Austausch über Social Media unterstützt die Studierenden auch bei der Nutzung digitaler Medien, die von der Hochschule für das Studium angeboten werden.“

Das Forschungsprojekt zeigt zudem, dass Studierende ständig vor der Anforderung stehen, ihren eigenen, das heißt eigensinnigen Weg im Studium zu finden. „Hochschulen zielen jedoch darauf ab, für alle Studierenden ein möglichst einheitliches Studienangebot zu machen“, führt Hofhues aus, „dabei ist ein Studium aus studentischer Sicht immer unterschiedlich – je nach dem, in welcher Lebenswelt ich mich als Studentin oder Student gerade bewege oder in welcher Lebensphase ich mich befinde.“ Für Studierende bedeute das einerseits, mit bestehenden formellen Strukturen und bereitgestellten Medienangeboten der jeweiligen Hochschule umzugehen. Andererseits stünden sie gleichzeitig vor der Anforderung, angesichts der Vielfalt möglicher Studienziele individuelle Anpassungsstrategien und Handlungsweisen für sich selbst zu etablieren.

Die Potentiale digitaler Medienangebote für Studierende sieht Sandra Hofhues insgesamt eher begrenzt: „Auch wenn wir unsere Forschungstätigkeiten weit vor der Corona-Krise abschließen konnten, bin ich angesichts der Ergebnisse doch besorgt, dass die Potenziale digitaler Medien derzeit deutlich überschätzt werden“, gibt die Juniorprofessorin zu bedenken.

Vorgestellt werden die Forschungsergebnisse des Verbundprojekts „You(r) Study“ in dem Sammelband „Studierende – Medien – Universität. Einblicke in studentische Medienwelten“, der als Open Access-Publikation beim Waxmann-Verlag erschienen ist.
 

Inhaltlicher Kontakt:
Juniorprofessorin Dr. Sandra Hofhues
Mediendidaktik und Medienpädagogik
+49 221 470-1833
sandra.hofhues@uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Mathias Martin
+49 221 470-1705
m.martinSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Zur Publikation (PDF-Download):
„Studierende – Medien – Universität. Einblicke in studentische Medienwelten“, Sammelband, Waxmann-Verlag,
https://www.waxmann.com/index.php?eID=download&buchnr=4049

Projekthomepage:
https://your-study.info/

 

]]>
news-6217 Wed, 29 Jul 2020 11:40:10 +0200 Kölner Bioinformatik-Team auf der Spur der genetischen Grundlage bilateral-symmetrischer Tiere <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6217" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Bioinformatischer Datenvergleich ermittelt 157 Gene, die nur in Tieren mit symmetrischen Körperseiten vorkommen und möglicherweise an ihrer Entstehung beteiligt waren / Veröffentlichung in Fachzeitschrift eLife Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Uni Köln konnte eine Reihe von Genen identifizieren, die es nur bei Tieren mit symmetrischen Körperhälften gibt. Dies legen umfassende Genomanalysen nahe, die unter Leitung von Dr. Peter Heger in der Arbeitsgruppe Wiehe am Institut für Genetik mithilfe des High Performance Computers am Rechenzentrum der Universität zu Köln angefertigt worden sind. Die Resultate zur Evolution der sogenannten Bilaterier sind unter dem Titel „The genetic factors of bilaterian evolution“ in der Fachzeitschrift eLife erschienen.

Linker Arm, rechter Arm; linkes Bein, rechtes Bein; linkes Auge, rechtes Auge: Die überwiegende Mehrheit der Tiere, die die Erde bevölkern, hat eine zentrale Eigenschaft: Sie sind bilateral-symmetrisch. Das bedeutet, dass sie eine symmetrisch aufgebaute rechte und linke Körperhälfte, ein vorderes und hinteres Körperende sowie eine dorsale und ventrale Seite (Rücken und Bauch) haben. Im Gegensatz dazu gibt es nur wenige Tierstämme, deren Bauplan ohne Bilateralsymmetrie verwirklicht ist, nämlich Nesseltiere (Cnidaria), Schwämme (Porifera) und Rippenquallen (Ctenophora).

Anders als die ursprünglicheren Nicht-Bilaterier stammen alle bilateral-symmetrischen Tiere, inklusive des Menschen, letztlich von einem gemeinsamen Vorfahren ab, der vor sehr langer Zeit gelebt hat. Während der Kambrischen Explosion vor 540 Millionen Jahren sind aus diesem Vorfahren die verschiedenen bilateral-symmetrischen Tierstämme hervorgegangen, die wir auch heute noch kennen, wie etwa Wirbeltiere, Stachelhäuter, Gliedertiere und sogar Fadenwürmer, Weichtiere oder  Ringelwürmer.

Sicher ist, dass genetische Veränderungen eine entscheidende Rolle gespielt haben müssen, damit sich während der Kambrischen Explosion die Bilaterier mit ihren speziellen Merkmalen entwickeln konnten. In einem groß angelegten Vergleich der genomischen Sequenzen von bilateral-symmetrischen Tieren mit nicht-Bilateriern konnte ein Team der Universität zu Köln 157 Gene identifizieren, die es nur in dieser bilateral-symmetrischen Tiergruppe gibt. Diese Gene müssen daher im gemeinsamen Vorfahren aller Bilaterier entstanden sein. Aus bereits veröffentlichten Studien anderer Arbeitsgruppen weiß man, dass einige der identifizierten Gene Funktionen in der Ausbildung von bilaterier-typischen Merkmalen haben, zum Beispiel bei der Bildung eines komplexen Nervensystems. Die Ergebnisse der Kölner Gruppe werfen Licht auf die genetischen Grundlagen eines sehr bedeutsamen Kapitels in der Evolution der Tiere.


Inhaltlicher Kontakt:
Dr. Peter Heger
Institut für Genetik
+49 221 470-1644
peter.hegerSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Frieda Berg
+49 221 470-1704
f.bergSpamProtectionuni-koeln.de

Zur PrePrint-Veröffentlichung:
https://elifesciences.org/articles/45530

 

 

]]>
news-6215 Tue, 28 Jul 2020 07:16:53 +0200 Durch Schocks und kosmische Strahlung geschaffen: Der Ursprung von Aluminium-26 in protostellaren Scheiben <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6215" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Das in Planeten und Asteroiden gefundene radioaktive Isotop Aluminium-26 wurde lokal in der Gasscheibe um unsere junge Sonne gebildet / Studie liefert eine Antwort auf eine Schlüsselfrage zur chemischen Entstehung des frühen Sonnensystems und zur Existenz bewohnbarer Planeten. Man geht davon aus, dass der Zerfall des radioaktiven Isotops Aluminium-26 eine wichtige Wärmequelle in den Planetesimalen, den Bausteinen der Planeten, darstellt und dazu beiträgt, die Anfangsbedingungen für die Entstehung des Sonnensystems festzulegen. Darüber hinaus gilt Aluminium-26 als eine der wichtigsten "Uhren" zur Datierung von Sonnensystemkörpern. Seit seiner Entdeckung im Allende-Meteoriten im Jahr 1976 wurde ausführlich darüber diskutiert, woher die beträchtliche Menge dieses Isotops im frühen Sonnensystem stammt. Es wurde der Transport von äußeren Quellen wie Supernovae und Winden von massereichen Sternen vorgeschlagen. Diese Szenarien erfordern jedoch grundsätzlich viel "Glück", um Sonnensystem-ähnliche Planeten zu bilden. Ein internationales Team von Wissenschaftlern der Universität zu Köln und der University of Texas, Austin, hat nun eine Erklärung vorgeschlagen, die keiner äußeren Quelle bedarf: Das Aluminium-26 Isotop wurde in der inneren protoplanetaren Scheibe durch Protonen der kosmischen Strahlung gebildet, die in Schockwellen beschleunigt wurden, die durch auf den Stern fallendes Material erzeugt wurden. Diese Schocks entstehen durch den Aufprall von Gas, das vom Rand der Scheibe auf den Protostern strömt.

Der Artikel "Anreicherung von Aluminium-26 in der Oberfläche protostellarer Scheiben durch protostellare kosmische Strahlung" von Brandt Gaches, Stefanie Walch, Stella S. R. Offner und Carsten Münker ist in der aktuellen Ausgabe des Astrophysical Journal erschienen.

"Dieser Artikel entspringt einer spontanen Idee, die durch einen Vortrag im Rahmen der Kolloquiumsreihe des Sonderforschungsbereichs 956 hier an der Universität zu Köln ausgelöst wurde", erzählt Stefanie Walch. "Ich finde insbesondere, dass er dem Geist meines ERC Starting Grant RADFEEDBACK entspricht, in dessen Rahmen diese Forschung durchgeführt wurde. Auf diese Weise macht Wissenschaft wirklich Spaß", so Stefanie Walch.

"Unter Astrophysikern gibt es seit langem eine Debatte über den Ursprung des Aluminium-26 im Sonnensystem, insbesondere in Kalzium-Aluminium-Einschlüssen, wie sie in Meteoriten gefunden werden", erklärt Dr. Brandt Gaches von der Universität zu Köln. "Supernovae oder frühe Sonnenaktivität waren vorgeschlagen worden. Aber die Lösungen, die bisher präsentiert wurden, hatten einige Probleme", sagt Gaches. "Deshalb wollten wir einen allgemeinen Mechanismus dafür entwickeln."

Während das Aluminium-26 in Meteoriten nicht mehr direkt gemessen werden kann, da es längst zerfallen ist, kann es durch überschüssige Mengen von Magnesium-26, dem Tochterisotop von Aluminium-26, abgeleitet werden. Es scheint ein ziemlich konstantes Verhältnis zum Isotop von Aluminium-27 zu haben. Seit der Entdeckung von Aluminium-26 in Meteoriten wurde ein erheblicher Aufwand betrieben, um einen plausiblen Anreicherungsmechanismus zu finden. Ein solcher Mechanismus sollte nicht nur in der Lage sein, die Existenz von Aluminium-26 zu erklären, sondern auch das feste Verhältnis zwischen Aluminium-26 und Aluminium-27.

Aufgrund seiner sehr kurzen Halbwertszeit von etwa 770.000 Jahren muss Aluminium-26 kurz vor der Kondensation der ersten festen Materie im Sonnensystem in der protoplanetaren Scheibe der jungen Sonne gebildet oder eingemischt worden sein. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Planeten wie der Erde, da es durch radioaktiven Zerfall genügend Wärme liefern kann, um differenzierte Körper zu erzeugen und dazu beitragen kann, die frühen Planetesimale auszutrocknen, um die wasserarmen Gesteinsplaneten wie die im Sonnensystem zu erzeugen.

Die Anreicherung von Aluminium-26 erfolgt durch hochenergetische Zusammenstöße von Mutterkernen, wie Aluminium-27 und Silizium-28, mit Protonen oder massiverer kosmischer Strahlung. Abschließend berechneten Gaches und seine Kollegen die Bedingungen, unter denen die kosmische Strahlung mit dem Material in der Akkretionsscheibe wechselwirken könnte, um das radioaktive Isotop zu erzeugen. Kosmische Strahlungsteilchen sind hochenergetische Protonen, die sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch den Raum bewegen. Sie stammen von der Sonne oder von Quellen außerhalb des Sonnensystems. "Wir gehen davon aus, dass die kosmische Strahlung durch das mehrfache Durchqueren der Schockfront beschleunigt wird, wobei sie bei jeder Durchquerung impulsartig an Schwung gewinnt. Sie bestrahlen die Scheibe, und so wird das Gas in der inneren Scheibe mit Aluminium-26 angereichert.

"In unserer Arbeit schlagen wir einen neuen Mechanismus vor: die Anreicherung der Oberfläche protostellarer Scheiben während der Klasse I/II-Phase durch Protonenbestrahlung mit kosmischer Strahlung, die in den Akkretionsschocks junger Protosterne beschleunigt wird", erklärt Gaches.

Gaches und seine Kollegen konzentrierten sich auf die Übergangszeit zwischen zwei frühen Phasen des Protosterns der Klassen I und II, während der der bereits existierende Zentralstern mehr Material sammelt und eine Scheibe bildet, die in ihrem inneren Teil etwas abzukühlen beginnt. Protosterne durchlaufen während des Übergangs zwischen den Phasen der Klasse I und II Perioden geringer Akkretion.

Unter diesen Bedingungen fällt Gas aus der Scheibe auf den zentralen Protostern, daswahrscheinlich den Magnetfeldlinien des Protosterns folgt. Dies verursacht eine Schockwelle, den sogenannten Akkretionsschock, wenn das einfallende Gas auf das dichte Material in der Nähe des entstehenden Sterns trifft. Die kosmische Strahlung wird durch den Akkretionsschock beschleunigt. Die Wissenschaftler berechneten verschiedene Modelle des Prozesses. "Wir fanden heraus, dass niedrige Akkretionsraten in der Lage sind, die erforderlichen Mengen an Aluminium-26 zu erzeugen, und dass das Verhältnis 26Al/27Al, das im Sonnensystem vorhanden ist, erreicht werden kann.

Der vorgeschlagene Mechanismus ist allgemein gültig für eine breite Palette von Sternen mit geringer Masse, von M-Zwergen bis hin zu Sternen vom Sonnentyp. Diese Sterne sind von besonderem Interesse, da man die Mehrzahl der Exoplaneten in deren Scheiben entdeckt hat. "Kosmische Strahlung, die durch Akkretion auf Protosterne beschleunigt wurde, könnte in vielen Planetensystemen einen allgemeinen Weg für die 26Al-Anreicherung bieten", so Gaches abschließend. "Und es ist eine der großen Fragen, ob der vorgeschlagene Mechanismus der Beschleunigung durch Schockwellen in Protosternen beobachtet werden kann".

Die Wissenschaftler bewiesen ihre Vermutung anhand des Modells einer statischen Scheibe, sagt Gaches. "Nachdem wir nun gezeigt haben, dass dieser Mechanismus funktioniert, könnte er in ausgefeiltere Scheibenmodelle einbezogen werden, um die Details des Prozesses der Bildung von Aluminium-26 noch genauer zu verstehen.
 

Inhaltlicher Kontakt:     
Dr. Brandt Gaches
+49 221 470-8293
gachesSpamProtectionph1.uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Robert Hahn
+49 221 470-2396
r.hahnSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Publikation:
https://iopscience.iop.org/article/10.3847/1538-4357/ab9a38

 

]]>
news-6205 Mon, 27 Jul 2020 11:13:33 +0200 Nadine Oberste-Hetbleck übernimmt die Leitung des Zentralarchivs für deutsche und internationale Kunstmarktforschung <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6205" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Das Zentralarchiv ist weltweit das erste Spezialarchiv zur Geschichte des Kunsthandels / Oberste-Hetbleck wird Nachfolgerin des langjährigen Direktors Günter Herzog Das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung ZADIK an der Universität zu Köln wird zukünftig von Junior-Professorin Nadine Oberste-Hetbleck geleitet, wenn sein langjähriger Direktor Professor Dr. Günter Herzog Ende September 2020 in den Ruhestand geht. Eine Findungskommission hat am Ende eines universitären Verfahrens einstimmig beschlossen, ihr diese Stelle anzubieten. Anfang dieses Jahres ist das 1992 vom Bundesverband deutscher Galerien (BVDG) als weltweit erstes Spezialarchiv zur Geschichte des Kunsthandels gegründete ZADIK durch die gemeinsame Initiative der Kultur- und Wissenschaftsministerin des Landes NRW Isabel Pfeiffer-Poensgen, der Stadt Köln, der Universität zu Köln und des Trägervereins ZADIK unter seinem Vorsitzenden Klaus Gerrit Friese, in die Universität und damit in eine sichere Zukunft überführt worden.
„Es ist ein Glücksfall“, so Herzog und Friese, „dass die neue, aber den Donatoren und Donatorinnen des ZADIK bereits vertraute Leitung das Archiv in einer überaus dynamischen Wachstumsphase sozusagen ‚im fliegenden Wechsel‘ übernehmen und unter optimalen Bedingungen weiter entwickeln kann.“

Oberste-Hetbleck, bisher Juniorprofessorin für Kunstgeschichte und Kunstmarkt an der Universität zu Köln, hält fest: „Mit dem Entschluss, zukünftig als Archivdirektorin für das ZADIK tätig zu werden, knüpfe ich an meine bisherige intensive Zusammenarbeit mit dem ZADIK an. Ich freue mich sehr darauf, das Archiv in seiner neuen Gestalt als eigenständiges wissenschaftliches Institut mit seinen hochkarätigen Beständen zu einem Zentrum der Kunstmarktdokumentation und Art Market Studies weiterzuentwickeln.“

Monika Schausten, Dekanin der Philosophischen Fakultät, und Susanne Wittekind, Geschäftsführende Direktorin des Kunsthistorischen Instituts, betonen: „Für die Universität eröffnet sich damit zugleich auch die Möglichkeit, dass Frau Oberste-Hetbleck in dem von ihr in den letzten Jahren betreuten Schwerpunktmodul Kunstmarkt ihre Lehre fortsetzen und die Uni damit ein Alleinstellungsmerkmal im Einfach-Masterstudiengang Kunstgeschichte mit eigenem Quellenreservoir beibehalten und ausbauen kann. Darüber hinaus bietet das ZADIK vielfältige Anknüpfungspunkte für interdisziplinäre Kooperationen innerhalb und außerhalb der Universität.“


Inhaltlicher Kontakt:
Jun.-Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck
Kunsthistorisches Institut
+49 221 470-4136
nobersteSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Jan Voelkel
+49 221 470-2356
j.voelkelSpamProtectionverw.uni-koeln.de

 

]]>
news-6203 Mon, 27 Jul 2020 10:19:43 +0200 Magnetische Nanoteilchen ändern in einem Magnetfeld ihre magnetische Struktur <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6203" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Internationales Forschungsteam hat die Auswirkungen von Magnetfeldern auf magnetische Nanoteilchen untersucht / Studie in Physical Review X Werden ultrafeine magnetische Partikel einem von außen einwirkenden Magnetfeld ausgesetzt, wächst ihr magnetischer Kern in bisher unerwarteter Weise. Das hat ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität zu Köln, des Forschungszentrums Jülich und des Instituts Laue-Langevin in Grenoble, Frankreich, durch Untersuchungen mit Neutronenstreuung gezeigt. Die Studie „Field-Dependence of Magnetic Disorder in Nanoparticles“ wurde in der Zeitschrift „Physical Review X“ veröffentlicht.

Die Studie ermöglicht ein genaueres Verständnis von Struktur und Verhalten der magnetischen Nanoteilchen in einem Magnetfeld, was für zahlreiche Anwendungen von Bedeutung ist. So können magnetische Nanoteilchen zum Beispiel gezielt an bestimmte Stellen des menschlichen Körpers gesteuert und dort für eine Wärmetherapie in der Krebsbehandlung eingesetzt werden. Magnetische Nanoteilchen werden zudem in chemischen Prozessen als Katalysator eingesetzt und spielen eine Rolle für die Entwicklung neuer Batterietechniken.

Nanoteilchen sind natürlich entstandene oder synthetisch hergestellte Teilchen mit einer Größe von 1 bis 100 Nanometern. Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters. Die Teilchen bestehen aus mehreren tausend Atomen und sind etwas kleiner als Bakterien. Nanoteilchen besitzen im Vergleich zu Festkörpern und größeren Partikeln spezifische chemische und physikalische Eigenschaften, so dass aus ihnen völlig neuartige Materialien hergestellt werden können.

Magnetische Nanoteilchen bestehen aus einem magnetischen Material, das beispielsweise Eisen, Nickel oder Kobalt enthält. Sind die Teilchen klein genug, verhalten sie sich wie kleine Magnete, die einen Nord- und einen Südpol aufweisen und sich in jede Richtung drehen können. Kleine magnetische Partikel findet man natürlich gewachsen in Gesteinen, aber auch in einigen Lebewesen, wie Bakterien, wo die Minimagnete bei der Orientierung der Bewegung eine Rolle spielen (Magnetotaxis). Von technologischer Bedeutung sind sie für magnetische Flüssigkeiten (Ferrofluide), Permanentmagnete, Magnetspeichermedien oder biomedizinische Anwendungen.

Der innere Aufbau eines magnetischen Nanoteilchens wird dabei oft mit einem einfachen, statischen Modell beschrieben. Nach diesem Modell sind magnetische Nanoteilchen aus einem magnetischen Kern und einer nicht oder nur gering magnetisierten Oberfläche aufgebaut. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass Magnetismus in einem Nanoteilchen im Wesentlichen nur auf diesen Kernbereich beschränkt ist, da hier eine gewisse Ordnung der Atome besteht, so dass die magnetischen Momente oder die Spins, also die Eigendrehimpulse der Elektronen, regelmäßig ausgerichtet sein können. Im strukturell ungeordneten Oberflächenbereich des Nanoteilchens sind die Spins demgegenüber wahllos ausgerichtet. Es kann daher dort keine Ordnung und somit kein Magnetismus entstehen.

Dr. Sabrina Disch vom Department Chemie der Universität zu Köln und die Kolleginnen und Kollegen ihres Forschungsteams haben nun mittels Neutronenstreuung an Kobaltferrit-Nanoteilchen gezeigt, dass sich die Struktur magnetischer Nanoteilchen im Magnetfeld verändert. Im Experiment vergrößerte sich das magnetische Kernvolumen um bis zu 20% bei Anlegen eines äußeren magnetischen Feldes. Gleichzeitig verringerte sich die Dicke des ungeordneten Oberflächenbereichs von 0,7 Nanometer (bei 11 Millitesla) auf 0,28 Nanometer (bei 1,2 Tesla).

„Durch das angelegte Magnetfeld wird ein Teil der zuvor ungeordneten magnetischen Momente im Oberflächenbereich vergleichbar zur Magnetisierung im Kernbereich ausgerichtet und so in eine Ordnung gebracht. Es verbleibt allerdings an der Oberfläche ein Restbereich mit unterschiedlich ausgerichteten Spins, der durch das angelegte Magnetfeld nicht geordnet werden kann“, so Dr. Dominika Zákutná, die als ehemalige Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Dr. Disch einen Teil ihrer Arbeit am Institut Laue-Langevin in Grenoble durchgeführt hat. Dieser weiterhin ungeordnete und nicht-magnetische Bereich macht im Experiment immerhin 12% des Volumens des Nanoteilchens selbst im höchsten magnetischen Feld aus. Insgesamt lassen die Untersuchungen den Schluss zu, dass die Größe des magnetischen Partikelkerns von dem Ausmaß der Unordnung bei den Spins in der Partikeloberfläche beeinflusst wird. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das bisher verbreitete statische Erklärungsmodell für magnetische Nanoteilchen nicht ausreichend ist und um eine vom magnetischen Feld abhängige Komponente erweitert werden muss, die von der strukturellen Unordnung bestimmt wird “, sagt Dr. Disch.

Die internationale Forschungsgruppe hat für ihre Experimente Neutronenstreuinstrumente des Institut Laue-Langevin in Grenoble sowie des Jülich Centre for Neutron Scattering am Heinz Maier-Leibnitz Zentrum in Garching genutzt. Neutronenstreuung findet breite Anwendung in der Wissenschaft in der Bestimmung struktureller und dynamischer Eigenschaften von Materialien. Mit Hilfe von Neutronenstreuung konnten hier die Magnetisierung im Kern und Oberflächenbereich eines Nanoteilchens jeweils gleichzeitig, aber getrennt voneinander untersucht werden.


Inhaltlicher Kontakt:
Dr. Sabrina Disch
Department Chemie
+49 221 470-7336
sabrina.dischSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Mathias Martin
+49 221 470-1705
m.martinSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Publikation:
„Field-Dependence of Magnetic Disorder in Nanoparticles“,
https://journals.aps.org/prx/abstract/10.1103/PhysRevX.10.031019

 

]]>
news-6201 Thu, 23 Jul 2020 14:51:05 +0200 Komplett digital: Die Cologne Summer Schools der Uni Köln in Zeiten von Corona <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6201" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Summer School für internationale Studierende als Online-Workshops / Thema: Perspektiven und Visionen digitaler Gesellschaften Am kommenden Montag, den 27. Juli, startet die erste vollständig digitale Version der Cologne Summer School. Der interdisziplinäre dreiwöchige Sommerkurs, gesponsort von der Santander Bank, wird jährlich vom International Office der Universität zu Köln organisiert. Normalerweise findet er in Präsenz an der Kölner Universität statt und ermöglicht internationalen Studierenden von Partneruniversitäten aus der ganzen Welt einen Einblick ins deutsche Hochschul- und Studierendenleben. Aufgrund der Reisebeschränkungen sowie den Einschränkungen für Gruppenveranstaltungen wegen der Corona-Pandemie beginnen die Cologne Summer Schools in diesem Jahr als virtuelle Reise.

Die 20 Teilnehmenden, die von zehn Partneruniversitäten in den USA, Großbritannien, Spanien, Brasilien, China, den Niederlanden, Russland, Argentinien, Mexiko und Tschechien kommen, werden vielfältige Themen rund um Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Bereiche Recht, Wirtschaft, Gesundheit, Kommunikation und Soziale Medien, Bildung und Politik behandeln.

“Perspektiven und Visionen digitaler Gesellschaften sind relevanter denn je. Es war niemals eine Option, den Kurs in das nächste Jahr zu verschieben, insbesondere angesichts der aktuellen Thematik, Digitalisierung. Gerade jetzt brauchen wir Diskussionen zu diesem Thema und wir freuen uns darauf, neue digitale Tools und Methoden auszuprobieren, die unseren Teilnehmenden hoffentlich ein realitätsnahes akademisches und interkulturelles Gefühl vermitteln werden“, kommentiert Victoria Busch, Koordinatorin des Programms.

Der primäre Fokus der diesjährigen Summer School liegt auf dem Ausbau digitaler Kompetenzen. Die Online-Workshops werden von Dozierenden der Universität zu Köln wie zum Beispiel der renommierten Medizinethikerin Professorin Dr. med. Christiane Woopen, die seit 2017 Vorsitzende des Europäischen Ethikrates und seit 2018 Co-Sprecherin der Datenethikkommission der Bundesregierung ist, sowie von internationalen Dozierenden von Partnerinstitutionen aus den USA, Kanada und Finnland geleitet.


Inhaltlicher Kontakt:
Victoria Busch
Koordinatorin Cologne Summer Schools
+49 221 470-1394
colognesummerschoolsSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Sarah Brender
+49 221 470-1700
s.brenderSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Weitere Informationen:
https://portal.uni-koeln.de/cologne-summer-schools

]]>
news-6192 Tue, 21 Jul 2020 14:46:54 +0200 Online-Lebensmittelhandel: Nur zeitweiser Schub durch Coronamaßnahmen <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6192" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Studie zum deutschen Online-Lebensmitteleinzelhandel in Corona-Zeiten zeigt: Trotz überproportionalem Wachstum ist ein genereller Trend zur Expansion des Online-Lebensmittelhandels nur schwach erkennbar. Die Corona-Pandemie hat in verschiedenen Sparten des Onlinehandels zu einer starken Zunahme der Nachfrage geführt. Mit den Auswirkungen der Pandemie speziell auf den Bereich des deutschen Online-Lebensmitteleinzelhandels beschäftigt sich eine Studie von Professor Dr. Peter Dannenberg vom Geographischen Institut und Professorin Dr. Martina Fuchs vom Wirtschafts- und Sozialgeographischen Institut der Universität zu Köln sowie der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Cathrin Wiedemann und dem Wissenschaftlichen Mitarbeiter Tim Riedler. Während des untersuchten Zeitraums vom 10. März bis 15. Mai 2020 gab es, wie Sekundärquellen zeigen, ein überproportional hohes Wachstum im Online-Lebensmittelhandel. So fand laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen ein Wachstum von rund 150 Prozent im März statt.

Die vom Kölner Forschungsteam untersuchte Zeitspanne umfasste „stay home“-Maßnahmen zur COVID-19-Eindämmung und stellte damit laut der Autorenschaft einen günstigen Moment („Window of Opportunity“) für den gesamten Onlinehandel dar. Denn da möglichst das Zuhause nicht ohne wichtigen Grund verlassen werden sollte, wurde so auch das Bestellen über das Internet und die bequeme Lieferung nach Hause plötzlich für einen größeren Kundenkreis als bisher interessant. Trotzdem zeigen die Studienergebnisse jedoch nur einen eher geringen Übergang vom stationären Lebensmitteleinzelhandel hin zum Lebensmittel-Onlinehandel.  

„Dass der Online-Lebensmittelhandel nicht stärker profitieren konnte, liegt an den begrenzten Kapazitäten der Unternehmen, die nicht so plötzlich auf die gestiegene Nachfrage reagieren konnten, aber auch an den bestehenden Konsummustern der Kundinnen und Kunden. Für viele Menschen ist gerade der Lebensmitteleinkauf ein wichtiges Erlebnis, das sinnliche Erfahrungen, wie etwa das Fühlen der Ware, anspricht. Es ist außerdem ein soziales Erlebnis, was gerade während der ‚stay home‘-Maßnahmen wichtig war“, erklärt Martina Fuchs.

Sowohl größere als auch kleinere Unternehmen versuchten mit der gestiegenen Nachfrage zurechtzukommen, erweiterten dabei aber selten ihr Liefergebiet. Beispielsweise beliefert AmazonFresh weiterhin nur Kundinnen und Kunden in Hamburg, Berlin, Potsdam und München. REWE konzentriert sich ebenfalls nur auf Stadtregionen in Deutschland. Der Online-Lebensmittelhandel findet also auch unter Corona-Bedingungen vor allem in städtischen Regionen statt. Das Autorenteam betont, dass unter anderem die Unvorhersehbarkeit der weiteren Entwicklung der COVID-19-Pandemie als Hemmnis für eine Expansion wirkte. Die entstehenden Möglichkeiten für den Online-Bereich durch die Regeln, die das Zuhausebleiben zum Gesundheitsschutz propagierten, blieben außerdem durch die absehbare Kurzzeitigkeit der Maßnahmen limitiert. „Die Lebensmittelhändler konnten nicht absehen, dass sich umfangreiche Investitionen lohnen würden, da sich eine ‚Rückkehr zur Normalität‘ abzeichnete“, sagt Fuchs.

Die Studie ist im Juli 2020 in der Fachzeitschrift Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie veröffentlicht worden. Grundlage für die Untersuchung war die Multi-Level Perspektive (MLP). Der Multi-Level Perspektive folgend, kann die COVID-19-Pandemie als Krise interpretiert werden, die die übergreifende wirtschaftliche Landschaft sowie Politik und Technikentwicklung plötzlich verändert hat und dadurch auch längerfristige Veränderungen hervorruft.

Für die Untersuchung nutzte das Team einen „mixed method“-Ansatz, der sich auf qualitative Interviews, Statistiken zur Marktentwicklung sowie Medienanalysen stützte. Das Team wertete unter anderem Web-Artikel zum Online-Lebensmittelhandel in Corona-Zeiten aus und führte online sowie telefonisch Interviews mit Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern im Lebensmitteleinzelhandel (zum Beispiel Geschäftsführungen, Zuständigen für Online-Handel) und in Verbänden.

Peter Dannenberg ordnet die Ergebnisse ein: „Unsere Studie konnte zeigen, dass es zwar generell einen Digitalisierungsschub während Covid-19 gegeben hat, sich aber kein Umbruch im Lebensmitteleinzelhandel zeigt. Das ist – aus geographischer Sicht – gerade mit Blick auf die Förderung der Versorgung ländlicher Räume in Deutschland ein wichtiger Punkt.“

Die Untersuchung entstand im Rahmen eines Projekts zu „(Räumlichen) Beschäftigungseffekten des zunehmenden Online-Handels“, das von der Hans-Böckler-Stiftung mit insgesamt rund 240.000 Euro gefördert wird. Es startete im Februar 2020 und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Peter Dannenberg und Martina Fuchs untersuchen darin die voranschreitende Digitalisierung des Einzelhandels und seiner Lieferketten sowie die Auswirkungen dieser Änderungen auf die lokale Arbeit und deren Gestaltung für die Branchen Fashion und Lebensmittelhandel.
 

Inhaltlicher Kontakt:
Professorin Dr. Martina Fuchs
Wirtschafts- und Sozialgeographisches Institut
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
 +49 221 470-7729
fuchsSpamProtectionwiso.uni-koeln.de

Professor Dr. Peter Dannenberg
Geographisches Institut
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
 +49 221 470-1542
p.dannenbergSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Sarah Brender
+49 221 470-1700
s.brenderSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Zur Publikation:
Peter Dannenberg, Martina Fuchs, Tim Riedler, Cathrin Wiedemann: Digital Transition by COVID-19 Pandemic? The German Food Retail: https://doi.org/10.1111/tesg.12453

]]>
news-6162 Tue, 21 Jul 2020 10:52:55 +0200 Die mitochondriale Verbindung: Warum Blutgefäße in Wunden und Tumoren zu sprießen beginnen <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6162" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Neue Kashkar-Studie zeigt: Bei hohem Energiebedarf und unter schwierigen Nährstoffbedingungen während der Gewebereparatur oder des Tumorwachstums ist die mitochondriale Atmung entscheidend für die Bildung neuer Blutgefäße Ein Wissenschaftlerteam des CECAD-Exzellenzclusters der Universität zu Köln (CECAD - Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases) unter der Leitung von Hamid Kashkar hat herausgefunden, dass neue Aussprossungen von Blutgefäßen während der Entwicklung, der Wundheilung oder des Tumorwachstums durch zellulären Energiestoffwechsel mit Beteiligung von mitochondrialen Atmung, gesteuert werden. Die Mitochondrien, auch Kraftwerke der Zelle genannt, versorgen den Organismus mit Lebensenergie. Die Endothelzellen, die eine dünne Schicht innerhalb der Gefäße aufbauen, nutzen die mitochondriale Energieproduktion, wie in dieser Studie gezeigt wurde. Der Immunologe Kashkar und sein Team liefern hier den genetischen Beweis für die Notwendigkeit der mitochondrialen Atmung während der Angiogenese - der Bildung neuer Sprossen von Gefäßen - und werfen ein neues Licht auf die metabolische Kontrolle der Gefäßbildung während der Entwicklung, der Gewebereparatur und der Krebsentstehung.

Der Rückgang der mitochondrialen Aktivität in Endothelzellen könnte eine wichtige Rolle bei der Alterung und alterungsbedingten Krankheiten, aber auch beim Tumorwachstum spielen und daher in Zukunft ein Schwerpunkt für therapeutische Behandlungen werden. Die Studie "Mitochondrial respiration controls neoangiogenesis during wound healing and tumour growth" wurde in Nature Communication veröffentlicht.

Blutgefäße bleiben während des gesamten Erwachsenenlebens überwiegend ruhig, besitzen aber die Fähigkeit, als Reaktion auf Verletzungen oder unter pathologischen Bedingungen wie Tumorwachstum rasch neue Verzweigungen zu bilden (Neoangiogenese), die eine zusätzliche Blutversorgung erfordern. Die innere Oberfläche der Blutgefäße ist von einer dünnen Schicht von Endothelzellen mit bemerkenswerter funktioneller Plastizität ausgekleidet, die rasch von einem ruhenden in einen stark angiogenen Zustand übergehen können. Dieser angiogene Schalter wurde lange Zeit als hauptsächlich durch vaskuläre Wachstumsfaktoren gesteuert betrachtet.

Das Kölner Forscherteam untersuchte die physiologische Rolle der mitochondrialen Atmung in Blutgefäßen in Zellkulturen und Mäusen. Kashkars Gruppe zeigte, dass die mitochondriale Atmung für die Neoangiogenese erforderlich ist.
„Wir fanden heraus, dass eine gefäßspezifische Blockade der mitochondrialen Funktion bei Mäusen zur embryonalen Letalität führt. Im Gegensatz dazu konnten wir bei erwachsenen Mäusen ohne endotheliale mitochondriale Atmung keine offensichtliche Veränderung feststellen. Diese Mäuse zeigten jedoch eine verlangsamte Wundvaskularisierung und -heilung sowie ein vermindertes Tumorwachstum und eine verminderte Angiogenese". erklären Lars Schiffmann und Paul Werthenbach, die Erstautoren der Studie.

„Die fehlende mitochondriale Aktivität in Endothelzellen unter normalen Bedingungen mit geringem Energieverbrauch verursacht nicht primär eine vaskuläre Veränderung. Im Gegensatz dazu sind Endothelzellen, die mit hohem Energiebedarf und unter schwierigen Nährstoffbedingungen während der Gewebereparatur oder des Tumorwachstums sprießen, in hohem Maße von der mitochondrialen Funktion abhängig", fügt Hamid Kashkar hinzu.
Die aktuelle Studie stellt die Hypothese auf, dass die fortschreitende Abnahme der mitochondrialen Aktivität bei Alterung und alterungsassoziierten Krankheiten die Angiogenese und damit die Regenerationsfähigkeit der alternden Gewebe reduziert. Unabhängig davon könnte die gezielte Beeinflussung der Blutgefäße von Tumoren durch mitochondriale Wirkstoffe eine wertvolle Krebstherapie darstellen und sollte in Zukunft erforscht werden.


Inhaltlicher Kontakt:     
Professor Dr. Hamid Kashkar
Principal Investigator, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie  und Hygiene
+49 221 478-84091
h.kashkarSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Robert Hahn
+49 221 470-2396
r.hahnSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Publikation:
DOI: 10.1038/s41467-020-17472-2

 

]]>
news-6161 Thu, 16 Jul 2020 11:08:59 +0200 Expertenstatement: Soll der Begriff "Rasse" aus dem Grundgesetz gestrichen werden? <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6161" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Der Kölner Staats- und Verwaltungsrechtler Professor Dr. Michael Sachs ist überzeugt: Der Begriff spricht in Art. 3 Abs. 3 Grundgesetz ein Merkmal an, das gerade in Deutschland Grundlage der schlimmsten Diskriminierungen war. Er muss zum Schutz vor solcher Diskriminierung Teil des Unterscheidungsverbots des Grundgesetzes bleiben. Art. 3 Abs. 3 Grundgesetz schreibt in seinem ursprünglich einzigen Satz 1 seit 1949 vor, dass niemand „wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen und politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ darf. Er legt neben dem ganz offen gehaltenen allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG („Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“) in unmissverständlicher Klarheit fest, welche Unterscheidungen die grundrechtsgebundene öffentliche Gewalt in Deutschland definitiv, aus welchen Gründen (oder auch: unter welchem Vorwand) auch immer, nicht mehr treffen darf.

In den Katalogmerkmalen spiegelt sich die leidvolle Diskriminierungsgeschichte der bei Verabschiedung des Grundgesetzes jüngeren und jüngsten Vergangenheit. Art. 3 Abs. 3 fasst Unterscheidungsmerkmale zusammen, die seit dem 19. Jahrhundert in deutschen Verfassungen nach und nach für ausgeschlossen erklärt worden waren. Hinzugefügt wurde 1949 das Merkmal der „Rasse“, das als Absage an die Diskriminierungen der gerade erst überwundenen Zeit der NS-Herrschaft mit ihren Gräueltaten vor allem gegen die Mitglieder der angeblichen „Rasse“ der Juden zu verstehen ist.

Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG trifft sich bei den wichtigsten angesprochenen Merkmalen, namentlich bei der Rasse, mit den ebenfalls historisch gewachsenen Unterscheidungsverboten, die nach dem Zweiten Weltkrieg dem Vorbild der UN-Charta von 1946 und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 folgend zu fast universeller Geltung im Völkervertragsrecht, im ausländischen Verfassungsrecht sowie im supranationalen Recht der Europäischen Union gelangt sind.

Wenn neuerdings, wie schon früher eher vereinzelt in der Verfassungsrechtswissenschaft, auch im politischen Raum Stimmen laut werden, die dafür plädieren, das Merkmal der „Rasse“ aus dem Katalog auszuscheiden, geht es dabei glücklicherweise nicht etwa darum, nunmehr Unterscheidungen wegen der Rasse von dem Verbot auszunehmen. Vielmehr stützen sich diese Stimmen auf die Annahme, dass es „Rassen“ von Menschen nicht gebe, und wollen ausschließen, dass das Grundgesetz den gegenteiligen Eindruck erwecken könnte.

Diese Befürchtung ist allerdings gegenstandslos. Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG setzt bezüglich der Rasse keineswegs voraus, dass eine solche Kategorie tatsächlich sinnvollerweise aufgestellt werden kann. Nicht einmal die Nationalsozialisten haben –  trotz aller Bemühungen ihrer Rassenforschung – eine Definition der „Juden“ anhand anthropologischer Kriterien zustande gebracht. Sie mussten letztlich auf die Religionszugehörigkeit zurückgreifen, auf die bis 1933 die Diskriminierungen von Juden stets gestützt worden waren. Vielmehr geht es vor dem Hintergrund der NS-Gräueltaten darum, Menschen vor Diskriminierungen anhand eines ihnen zugeschriebenen Merkmals „Rasse“ zu schützen, gerade wenn solche Zuschreibungen nur Ausdruck von Rassenwahn fernab irgendeiner Realität sind.

Um allen an solchen Vorstellungen orientierten Handlungen der öffentlichen Gewalt wirksam einen Riegel vorzuschieben, gibt es kein besseres Mittel, als im Einklang mit den Vorstellungen der Entstehungszeit des Grundgesetzes und den weltweit bestehenden Verboten von Rassendiskriminierung Benachteiligungen (und Bevorzugungen) „wegen der Rasse“ auch im grundgesetzlichen Unterscheidungsverbot mit seinem strikten Geltungsanspruch weiterhin zu untersagen. Irgendwelche Sprachkosmetik dagegen führt auch in diesem Bereich nicht weiter.

Inhaltlicher Kontakt:
Professor Dr. Michael Sachs
+49 221 470 5803
sachsSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Eva Schissler
+49 221 470 4030
e.schisslerSpamProtectionverw.uni-koeln.de

 

]]>
news-6151 Mon, 13 Jul 2020 14:24:13 +0200 FESST@home - geophysikalisches Feldexperiment in Zeiten der sozialen Distanzierung <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6151" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Fachleute für Atmosphärenphysik finden eine Lösung für eine Feldkampagne in Zeiten sozialer Distanzierung und begrenzter Reisemöglichkeiten / Aus dem Projekt FESSTVaL wird FESST@home, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Daten über Winde und deren Böen von zu Hause aus analysieren Eine Forschungsgruppe von sieben wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland, die sich mit meteorologischen Fragen rund um Grenzschichtmuster, Gewitter und Windböen beschäftigt, geht in der Corona-Krise neue Wege. Aus der geplanten Feldkampagne „FESSTVaL“ (Feldexperiment zur räumlich-zeitlichen Variabilität auf Subskala) wird nun „FESST@home“. Auch von der Universität zu Köln beteiligen sich Forscherinnen und Forscher an der konzertierten kollaborativen Datenauswertung aus dem Home Office heraus gemeinsam mit Partnern der Universität Bonn.

Für den Sommer 2020 hatte die Forschungsgruppe FESST@MOL, eine der drei Teilbereiche in FESST@home. unter Leitung von Juniorprofessorin Dr. Stephanie Fiedler am Observatorium des Deutschen Wetterdienstes in Lindenberg bei Berlin das internationale Feldexperiment FESSTVaL zur Erfassung von Windböen und zur Messung von Kaltluftausströmungen aus konvektiven Wolken mitgeplant. Dann brach die Corona-Pandemie aus. So musste die seit langem für Köln von Professor Dr. Ulrich Löhnert geplante Kampagne FESSTVaL auf den Sommer 2021 verschoben werden. Trotzdem gaben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihre Messungen in diesem Sommer nicht auf.

Stattdessen nutzen sie die Messdaten der von ihren Partnern in Lindenberg installierten und betriebenen Fernerkundungsinstrumente, die die Forschenden über das Internet von zu Hause aus einsehen können. "Wir arbeiten eng zusammen, obwohl wir getrennt sind, indem wir unsere Ansichten und Dateninterpretationen diese Woche in täglichen Briefings in virtuellen Meetings austauschen", so Stephanie Fiedler. "Wer hätte gedacht, dass eine gemeinsame Feldkampagne trotz aller Schwierigkeiten, die die Pandemie mit sich bringt, möglich ist? Auch sie können unsere Messungen online im Internet sehen.“ Die Messungen werden mittels automatisierter Softwareverfahren Vorort visualisiert und in das Internet eingestellt.

Das FESST@home-Team an der Universität zu Köln interessiert sich für die Beobachtung von Windböen und in der Nacht auftretende Windgeschwindigkeitsmaxima, sogenannte Grenzschichtstrahlströme, die sich in wenigen hundert Metern Höhe über dem Boden entwickeln, erklärt Stephanie Fiedler vom Institut für Geophysik und Meteorologie: "Unser Ziel ist es, die Darstellung dieser Windeigenschaften in den hochauflösenden Reanalysen – vierdimensionale Modelle der Atmosphäre, die möglichst viele Beobachtungen zur Klimaüberwachung und -diagnose nutzen -  zu bewerten und zur Verbesserung der Modelle beizutragen. Sie sind z.B. für die Windenergieerzeugung von Interesse, aber globale vergleichsweise grob auflösende Reanalysen können Grenzschichtstrahlströme nur angenähert darstellen. Wir brauchen Messungen wie jene von FESSTVaL, um die physikalischen Prozesse besser zu verstehen.“ Das Team in Köln und Bonn entwickelt regionale hochauflösende Reanalysen, in der an der Universität zu Köln und der Universität Bonn angesiedelten Forschungsbereich „Klimamonitoring und Diagnostik“ des Hans-Ertel-Zentrums für Wetterforschung (HErZ,) in enger Zusammenarbeit mit den Partnern beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach.

FESSTVaL (Field Experiment on submesoscale spatio-temporal variability in Lindenberg) ist eine Messkampagne, vom Hans-Ertel-Zentrum für Wetterforschung (HErZ). In FESSTVaL arbeitet ein gutes Dutzend Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus sieben verschiedenen Institutionen in Deutschland zusammen: Deutscher Wetterdienst (DWD), FU Berlin (FUB), Universität Bonn (UBN), Goethe Universität Frankfurt (GUF), Universität Hamburg (UHH), Universität zu Köln (UzK), Max Planck Institut für Meteorologie (MPI). Ein Großteil der Stellen innerhalb des Projektes ist mit Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen (PhD und Postdoc) besetzt, was die Kampagne FESSTVaL zu einem lebendigen Beispiel für das Engagement und den Einfluss des wissenschaftlichen Nachwuchses macht und ein Garant für eine dynamische Arbeitsumgebung ist. HErZ engagiert sich für die forschungsnahe Lehre in Wetter- und Klimaforschung für Studierende in gemeinsamen Studiengängen der Universitäten Köln/Bonn und einer Sommerschule für Nachwuchswissenschafter und Nachwuchswissenschaftlerinnen im Rahmen von FESSTVaL.

 

Inhaltlicher Kontakt:      
Juniorprofessorin Dr. Stephanie Fiedler
+49 (0)221 470- 3693
stephanie.fiedlerSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Robert Hahn
+49 221 470-2396
r.hahnSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Weitere Informationen:
http://fesstval.de/fessthome-2020/fesstmol
https://www.herz.uni-bonn.de/wordpress/

]]>
news-6150 Mon, 13 Jul 2020 11:36:40 +0200 Neues Graduiertenkolleg aus dem Bereich der Organischen Elektronik mit 6,9 Millionen Euro gefördert <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6150" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Das Graduiertenkolleg „Template-Designed Organic Electronics (TiDE) – Understanding Transport by Transition from Disorder to Order” will die Leistungsfähigkeit organischer Halbleiter verbessern. Die Universität zu Köln hat ein neues Graduiertenkolleg im Bereich der Organischen Elektronik eingeworben. Mitantragstellerin ist die Universität Bonn.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Graduiertenkolleg „Template-Designed Organic Electronics (TiDE) – Understanding Transport by Transition from Disorder to Order“ für die Förderung mit einer Gesamtsumme von rund 6,9 Millionen Euro ausgewählt. Das Kölner Graduiertenkolleg wird aus 14 Promotionsstellen und einer Nachwuchsgruppe in der Organischen Elektronik bestehen.  

Die DFG wählte das Graduiertenkolleg als eines von elf neu geförderten Graduiertenkollegs aus, die ab Oktober 2020 zunächst viereinhalb Jahre lang mit insgesamt rund 56 Millionen Euro von der DFG gefördert werden. Darin enthalten ist eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten.

Sprecher des neuen Kölner Graduiertenkollegs ist Professor Dr. Klaus Meerholz aus dem Department Chemie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln. „Wir freuen uns sehr darauf, dass wir mit dem neuen Graduiertenkolleg unsere innovativen Ansätze umsetzen können und somit die Organische Elektronik in NRW weiter stärken“, sagt Klaus Meerholz.

Die Organische Elektronik hat die Elektronikwelt revolutioniert, Beispiele sind organische Leuchtdioden (OLEDs) und Solarzellen. Jedoch ist dieser technologische Fortschritt überwiegend durch empirische Forschung entstanden, während grundlegende Mechanismen nicht vollständig verstanden sind. Hierbei ist die zentrale Frage, wie strukturelle Ordnung die optischen und elektronischen Merkmale eines organischen Halbleiters beeinflussen kann, und wie diese Eigenschaften für elektronische Bauteile optimiert werden können.

Der neuartige Ansatz von TiDE ist die Verwendung von sogenannten Templaten, die wie eine chemische Schablone für darauffolgende Materialschichten fungieren sollen, da sie die Molekülanordnung „steuern“ können. Um die Erforschung dieser „templierten“ Organischen Elektronik (engl. TiDE – Template-designed Organic Electronics), weiter voran zu treiben, bündeln die Universität zu Köln und die Universität Bonn ihre Kompetenzen nun im neuen Graduiertenkolleg. Um der Breite des Forschungsthemas gerecht zu werden, wurden für TiDE fünf verschiedene Forschungsschwerpunkte definiert, die sowohl interdisziplinär als auch synergistisch ineinandergreifen, da hier international renommierte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Chemie, Physik sowie den Materialwissenschaften zusammenwirken.

„Die Promovierenden erwartet ein tolles Programm mit spannenden Projekten, das ich damals gerne selber mitgemacht hätte. Den Promovierenden soll frühzeitig ein multidisziplinäres und internationales Netzwerk geboten werden, das sie über eine frühe wissenschaftliche Selbstständigkeit hinaus mit den entscheidenden Kompetenzen ausstattet und Absolventinnen und Absolventen so einen erfolgreichen Berufsstart in Wissenschaft und Wirtschaft ermöglicht“, sagt Co-Sprecher Arne Lützen von der Universität Bonn.


Inhaltlicher Kontakt:
Professor Dr. Klaus Meerholz
Sprecher GRK TIDE    
Department für Chemie
Universität zu Köln
+49 221 470-3275
klaus.meerholzSpamProtectionuni-koeln.de

Professor Dr. Arne Lützen
Co-Sprecher GRK TIDE
Kekulé Inst. für Organische Chemie
Universität Bonn
+49 228 73-7533
arne.luetzenSpamProtectionuni-bonn.de

Dr. Ann-Christin Schmädicke
Wissenschaftliche Koordination
Institut für Physikalische Chemie
Universität zu Köln
+49 221 470-3423
a.schmaedickeSpamProtectionuni-koeln.de


Presse und Kommunikation:
Sarah Brender
+49 221 470-1700
s.brenderSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Nils Sönksen
+49 228-73-5978
nils.soenksenSpamProtectionuni-bonn.de

 

]]>
news-6149 Mon, 13 Jul 2020 11:10:13 +0200 „Fleischverzicht ist keine Alles-oder-Nichts-Entscheidung, sondern ein Prozess“ <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6149" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Statement von Sozialpsychologin PD Dr. Simone Dohle über gute Vorsätze, effektive Selbstkontrolle und den achtsamen Umgang mit dem tierischen Produkt: Angesicht der aktuellen Berichte über Massentierhaltung und den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Arbeitskräfte in Schlachtbetrieben hinterfragen immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum. Doch wieso fällt es vielen Menschen so schwer, auf Fleisch zu verzichten?

Fleischkonsum wird in erster Linie von Gewohnheiten bestimmt, und diese Gewohnheiten sind in einen individuellen, sozialen und kulturellen Kontext eingebettet. Im Nachkriegsdeutschland war Fleisch ein Luxusprodukt, und in vielen Familien war es üblich, dass das größte Stück Fleisch männlichen Familienmitgliedern vorbehalten war. Fleisch war damit auch ein Symbol der Machtverhältnisse innerhalb von Familienstrukturen. Zudem war es so, dass große Fleischportionen nur am Sonntag auf den Tisch kamen und damit etwas Besonderes darstellten. Seit dieser Zeit ist der Fleischkonsum immer weiter gestiegen und befindet sich seit einigen Jahren auf einem konstant hohen Niveau, auch aufgrund sinkender Preise und einer größeren Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten.

Dabei ist es auch aus gesundheitlichen Gründen sinnvoll, den Fleischkonsum zu reduzieren. Fleisch ist eine mögliche Proteinquelle, und in Zeiten von „low carb“ und „high protein“-Produkten kann schnell der Eindruck entstehen, man müsse besonders auf die Proteinzufuhr achten. Die meisten Menschen überschätzen aber Ihren Proteinbedarf, und in den westlichen Industrienationen liegt die durchschnittliche Proteinzufuhr deutlich über den Verzehrsempfehlungen – oft ist sie doppelt so hoch. Zahlreiche epidemiologischen Studien zeigen jedoch, dass der Verzehr von Fleisch, insbesondere von rotem Fleisch, mit einem erhöhten Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsarten assoziiert ist.

Für die meisten Menschen ist Fleischkonsum jedoch emotional positiv verknüpft – man denkt an das Zusammensein mit Familien und Freunden, an besondere festliche Momente, ans Grillen im Sommer. Daher finden es viele abschreckend, ganz auf Fleisch zu verzichten. Dabei kann ein achtsamer Umgang mit Fleisch auch bedeuten, dass man versucht, den Konsum zu reduzieren. Fleischverzicht ist damit keine Alles-oder-Nichts Entscheidung, sondern ein Prozess.

Doch selbst wenn man sich vornimmt, den Fleischkonsum zu reduzieren, bleibt es häufig nur bei „guten Vorsätzen“. Wie bei vielen anderen Verhaltensänderungen auch, stellt es häufig ein Problem dar, dass man meistens nicht spezifisch genug plant, wie die Verhaltensänderung konkret aussehen soll. Liegt dann das Steak einmal auf dem Teller, ist es meistens zu spät, die guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Aus der Selbstkontrollforschung weiß man, dass eine effektive Selbstkontrolle vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass man vorausschauend agiert. Das heißt, Fleischverzicht beginnt bereits beim Einkaufen und der Planung von Mahlzeiten. Darüber hinaus kann es helfen, dass man sich spezifische Ziele setzt (z.B. „nicht mehr als 2 Portionen Fleisch pro Woche“). Dann sollte man dokumentieren, wie häufig man tatsächlich Fleisch konsumiert – dann erkennt man auch, wann man das Ziel nicht erreicht und in welchen Situationen es besonders schwierig ist, dieses Ziel zu erreichen. Hat man diese Situationen erkannt, hilft es häufig, sich einen „Wenn-Dann-Plan“ zu überlegen. Dieser ist durch eine besondere Struktur gekennzeichnet: „Wenn X eintritt, dann tue ich Y“. Ein Wenn-Dann-Plan zum Fleischkonsum könnte also z.B. folgendermaßen lauten: „Wenn wir das nächste Mal bei uns zu Hause grillen, werde ich statt eines normalen Steaks ein vegetarisches Steak für mich grillen.“ Wichtig ist jedoch, dass alle Ziele und Pläne auf individuelle Präferenzen und auf die Umstände abgestimmt sind.

Verzicht auf Fleisch bedeutet meistens auch, dass man sich mit alternativen Rezepten und Zubereitungsmöglichkeiten auseinandersetzt. Doch nicht jeder mag den Geschmack von Tofu oder Vegischnitzeln. Forschung zeigt jedoch auch, dass eine aktive Involvierung bei der Essenzubereitung dazu führt, dass Lebensmittel mehr gemocht werden. Daher lohnt es sich, öfters mal „über den Tellerrand“ zu schauen, und selbst auszuprobieren, welche alternativen Proteinquellen den eigenen Speiseplan bereichern könnten.

Über Dr. Simone Dohle:
Privatdozentin Dr. Simone Dohle ist Akademische Rätin am Department Psychologie der Universität zu Köln. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Selbstregulation und Verhaltensänderungen in gesundheitlichen Kontexten.
 

Inhaltlicher Kontakt:
PD Dr. Simone Dohle
Angewandte Sozialpsychologie und Entscheidungsforschung
+49 221 470-6784
simone.dohleSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Frieda Berg
+49 221 470-1704
f.bergSpamProtectionverw.uni-koeln.de

 

]]>
news-6144 Thu, 09 Jul 2020 15:36:36 +0200 Kölner Laboruntersuchungen ermöglichen die Beobachtung der Ionenchemie im Weltraum <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6144" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Spektroskopische Methoden liefern neue Erkenntnisse über die chemische Entwicklung des Universums / Publikation in Nature Reviews Physics Wissenschaftler der Universität zu Köln, der Radboud University (Nijmegen, Niederlande) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT, Cambridge, USA) beschreiben in einem Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift Nature Reviews Physics hochentwickelte spektroskopische Techniken, die es erlauben, astrophysikalisch relevante Molekülionen im Labor und Weltraum zu entdecken. „Die Suche nach Ionen gilt als besonders schwierig. Die in Köln entwickelten Techniken tragen wesentlich dazu bei, dieses Problem zu lösen,“ sagt Prof. Stephan Schlemmer (Sprecher des SFB956) vom I. Physikalischen Institut der Universität zu Köln. „So werden neue Moleküle zunächst bei uns im Labor in einem Fingerhut großen Experiment und dann auch im Weltraum entdeckt. Schließlich können wir verstehen, welche wichtige Rolle die Ionen für die chemische Entwicklung des Universums spielen.“

Ionen sind geladene Atome und Moleküle. Sie nehmen eine Schlüsselrolle in der Entwicklung des interstellaren Mediums ein, dem Raum zwischen den Sternen, in denen neue Sterne und Planeten entstehen. Sie sind naturgemäß sehr reaktiv und flüchtig, was ihre Untersuchung sehr schwierig macht. Fundamentale Durchbrüche sind hier vor allem durch die experimentellen Entwicklungen der Kölner Arbeitsgruppe um Prof. Stephan Schlemmer gelungen. In Ionenspeichern werden hierzu die außergewöhnlichen Bedingungen des interstellaren Raums, der sehr kalt (-260 ℃) und fast leer (Ultrahochvakuum) ist, nachgebildet. Anhand zahlreicher Beispiele beschreiben die Autoren wie durch die Zusammenarbeit von Labor, theoretischen Modellen und astronomischen Beobachtungen enorme Fortschritte im Verständnis der interstellaren Chemie gewonnen werden konnten. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel betrifft das ungewöhnliche H2D+ Molekül. Durch seine Beobachtung, ermöglicht durch die Kölner spektroskopischen Methoden, konnte das Alter einer Molekülwolke, in der ein Stern wie unsere Sonne entsteht, bestimmt werden.

 

Inhaltlicher Kontakt:
Professor Dr. Stephan Schlemmer
I. Physikalisches Institut der Universität zu Köln
+49 221 470 7880
schlemmerSpamProtectionph1.uni-koeln.de

Presse und Kommunikaton:
Jan Voelkel
+49 221 470 2356
j.voelkelSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Weitere Informationen:
https://astro.uni-koeln.de/schlemmer

Zur Publikation:
https://www.nature.com/articles/s42254-020-0198-0

]]>
news-6141 Thu, 09 Jul 2020 13:30:36 +0200 EUniWell erfolgreich bei der Bewerbung zur „European University“ <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6141" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> EUniWell – die „European University for Well-Being“ – ist im Rahmen der zweiten Ausschreibungsrunde des ERASMUS+-Programms der Europäischen Kommission als „European University“ ausgewählt worden. In dieser zweiten Ausschreibungsrunde, deren Förderphase im Herbst 2020 beginnt, wählte die Generaldirektion der Europäischen Kommission für Bildung und Kultur 24 europäische Hochschulkonsortien aus, welche für die kommenden drei Jahre gefördert werden, um zu „Europäischen Universitäten“ der Zukunft zu werden.

EUniWell vereint unter der Federführung der Universität zu Köln die sieben Universitäten Birmingham, Köln, Florenz, Leiden, Linneaus, Nantes und Semmelweis (Budapest) als „European University for Well-Being“. Die Allianz hat sich zum Ziel gesetzt, sowohl durch hervorragende Lehre als auch durch thematisch relevante Forschung ein Umfeld zu schaffen, in dem und durch welches das Wohlergehen des Einzelnen, der Gesellschaft und der Umwelt in Europa im Zentrum stehen und weltweit verbessert werden können.

Die sieben Partneruniversitäten von EUniWell nehmen die Verantwortung an, die nächste Generation von Europäerinnen und Europäern auszubilden, wissenschaftliche Durchbrüche zu ermöglichen und erfolgreichen Wissenstransfer in die Gesellschaft zu erreichen und dadurch ihre Lehre und Forschung in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Als die nächste Generation von Europäerinnen und Europäern stehen die Studierenden im Zentrum der Allianz und sind von Anfang an maßgeblich an der Entwicklung von EUniWell bis hin zur Leitungsebene beteiligt.

EUniWell bringt ein Netzwerk aus 102 Assoziierten Partnern zusammen, dem nicht nur die sieben Magistrate der jeweiligen Heimatstädte angehören, sondern auch zahlreiche Einrichtungen aus Bildung, Wissenschaft und Kultur, Gesundheits- und Wirtschaftsorganisationen, welche die Realisierung der Mission und Vision von EUniWell unterstützen.

EUniWell vereint 244.000 Studierende und 36.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gemeinsam hat EUniWell vier Schlüsselbereiche für Lehre und Forschung definiert, welche eng mit den Zielen der UN für Nachhaltige Entwicklung (UN Sustainable Development Goals, SDG) verknüpft sind und in denen unsere sieben Partneruniversitäten ein starkes Profil besitzen. Die Relevanz dieser Themenbereiche hat durch die Erfahrungen der durch das Covid-19 hervorgerufenen Pandemie eine weitere Dringlichkeit erhalten:

  • Well-Being & Health (SDG 3, Good Health & Well-Being)
  • Individual & Social Well-Being (SDG 16, Peace, Justice & Strong Institutions)
  • Environment, Urbanity & Well-Being (SDG 11, Sustainable Cities & Communities)
  • Teacher Education (SDG 4, Quality Education)

Führende Persönlichkeiten von EUniWell kommentierten die positive Förderentscheidung der EU folgendermaßen: „the selection for funding as a European University will enable us to accelerate working towards our mission and deepen our collaboration. As a ‘European University’, we are committed to sharing our experience and [best] practices as we build a multi-campus European University together, supported by our network of associated partners“.

 

Die Leitungsebene der beteiligten Universitäten von EUniWell:

  • Professor Sir David Eastwood, Vice-Chancellor and Principal, University of Birmingham, GB
  • Professor Axel Freimuth, Rektor, Universität zu Köln, Deutschland
  • Professor Luigi Dei, Rector, Università degli Studi di Firenze, Italien
  • Professor Carel Stolker, Rector Magnificus und Präsident, Universiteit Leiden, Niederlande
  • Professor Peter Aronsson, Vice-Chancellor, Linnéuniversitetet, Schweden
  • Professorin Carine Bernault, Präsident, Université de Nantes, Frankreich
  • Professor Béla Merkely, Rektor, Universität Semmelweis, Ungarn

 

EUniWell Leitungsgruppe:

  • Professor Robin Mason, Pro-Vice-Chancellor International, University of Birmingham, GB
  • Professorin Beatrix Busse, Prorektorin für Lehre und Studium, Universität zu Köln, Deutschland
  • Professor Heinz-Peter Mansel, Prorektor für Internationales, Universität zu Köln, Deutschland
  • Professorin Giorgia Giovannetti, Vice-Rector for International Relations, Università degli Studi di Firenze, Italien
  • Professorin Hester Bijl, Vice Rector Magnificus, Universiteit Leiden, Niederlande
  • Professorin Ann-Charlotte Larsson, Deputy Vice-Chancellor, Linnéuniversitetet, Schweden
  • Professorin Gwenaele Proutiere-Maulion, Vice-President for European Affairs and International Relations, Université de Nantes, Frankreich
  • Professor Olivier Grasset, Vice-President for Research, Université de Nantes, Frankreich
  • Professor Péter Ferdinandy, Vice-Rector for Science and Innovations, Universität Semmelweis, Ungarn
  • Judith Barth, EUniWell Chief Student Officer


Verantwortliche Prorektoren der UzK:
Prof.'in Dr. Beatrix Busse
Prorektorin für Lehre und Studium

Prof. Dr. Heinz-Peter Mansel
Prorektor für Internationales

Inhaltlicher Kontakt:
Dr. Stefanie Bölts
+49 221 49 470-2345
s.boeltsSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Patrick Honecker
+49 221 470-2202
Mobil +49 170 5781717
p.honeckerSpamProtectionverw.uni-koeln.de
 

]]>
news-6140 Wed, 08 Jul 2020 13:05:24 +0200 Uni Köln erhält bedeutende Münzschenkung <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6140" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Über 3500 griechische und römische Münzen aus dem antiken Ägypten erweitern die wissenschaftlichen Möglichkeiten des Instituts für Altertumskunde der Universität zu Köln. Das Institut für Altertumskunde der Universität zu Köln schätzt sich glücklich, über 3500 hauptsächlich griechische und römische Münzen der Sammlung Schodlok als Schenkung erhalten zu haben. Die Objekte wurden der Münzsammlung des Instituts Ende Mai, in einem für heutige Verhältnisse außergewöhnlichen Fall von Mäzenatentum, geschenkt.
Die Übergabe der Schenkung fand aufgrund der geltenden Schutzmaßnahmen im kleinen Rahmen in der Münzsammlung des Instituts für Altertumskunde statt. Gunther Schodlok und seine Ehefrau überreichten dem Kustos der Sammlung, PD Dr. Gregor Staab, die Schenkungsurkunde. Gregor Staab ist überaus erfreut über die großzügige Schenkung: „Die gewaltige wissenschaftliche Bedeutung der Münzsammlung Schodlok liegt nicht nur in der schieren Menge seltener und wertvoller Münzen; ihre thematische Ausrichtung fügt sich zudem nahtlos in den bisherigen Zuschnitt der Münzsammlung ein und bereichert sie um wichtige Elemente“, erklärt Staab. „Der nunmehr fast 7000 Münzen umfassende Teilbestand kaiserzeitlicher Münzen aus Alexandria erhebt die Kölner Sammlung unter die bedeutendsten Einrichtungen für die Erforschung der Geldgeschichte Ägyptens.“

Durch die Schenkung wird die Anzahl der in der Universitätssammlung befindlichen Münzen aus dem Reich der Ptolemäer, d.h. von griechischen Königen in der Nachfolge Alexanders des Großen, mehr als verdoppelt; der Hauptbestand von 3800 Prägungen, die die römischen Kaiser in Alexandria veranlasst haben, vergrößert sich um fast 3000. Ganz neu treten dem Kölner Sammlungsprofil über 300 Exemplare aus der Spätzeit römischer und byzantinischer Münzprägung in Alexandria hinzu. Damit dokumentiert die Kollektion jetzt die gesamte Geldgeschichte im griechisch-römischen Ägypten über fast 1000 Jahre hin in ihren drei Hauptperioden.

Die Sammlung bietet unter anderem das letzte Stück ptolemäischer Münzprägung unter der legendären, 30 v.Chr. gestorbenen Königin Kleopatra und ihrem Geliebten Marcus Antonius sowie die ersten Ursprünge kaiserlicher Emissionen unter dem neuen römischen Machthaber Octavian/Augustus. Auch bislang unbekannte Varianten sind zu finden, wie ein "Kölsches Schmankerl“, eine alexandrinische Münze mit dem Portrait der Stadtgründerin von Köln Agrippina, bei deren Namensnennung das erste "i" verschludert wurde. Sehr seltene Exemplare werfen neues Licht auf den Übergang von der alexandrinisch-griechischen zur reichsrömischen Prägung am Ende des 3. Jahrhunderts. „Die private Schenkung der großartigen Münzsammlung ist eine äußerst glückliche Fügung und bedeutet für die feine Kollektion der Universität einen geradezu epochalen Einschnitt, eröffnet sie doch der Münzkunde, der sogenannten Numismatik, in Köln ganz neue Chancen und Herausforderungen in Forschung und Lehre, denen sich das Institut für Altertumskunde voller Dankbarkeit stellen wird“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Hammerstaedt, Lehrstuhlinhaber für Klassische Philologie und Papyrologie am Institut für Altertumskunde.

Gunther Schodlok aus Neuenhaus, der nun seine private Sammlung dem Institut übereignet hat, verfolgte über all die Jahre bei deren Zusammenstellung das Ziel, thematische Lücken der Kölner Münzsammlung zu füllen. Auf die Idee war der Stifter vor über zwanzig Jahren als Gasthörer in Seminaren der Kölner Universität gekommen. Bei den hier nach wie vor lehrenden Numismatikern, dem langjährigen Kustos der Sammlung und Spezialisten für Kaisermünzen aus Ägypten, Dr. Angelo Geißen, und dem Honorarprofessor Dr. Wolfram Weiser, begeisterte er sich zunehmend für diese Region antiker Münzprägung. „Der Ausbau seiner thematisch derart spezialisierten und numismatisch hochwertigen Sammlung, wie sie nun der Universität zu Köln zugutekommt, erforderte nicht nur wahre Passion, sondern viel Kenntnis, Spürsinn und Urteilskraft“, so Gregor Staab. Unterstützt wurde Schodlok dabei von Fachleuten großer Auktionshäuser.

Kontakt:
PD Dr. Gregor Staab
Institut für Altertumskunde
gregor.staabSpamProtectionuni-koeln.de
+49 - (0)221 470 – 3024

Presse und Kommunikation:
Robert Hahn
+49 221 470-2396
r.hahnSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Weitere Infos:
https://muenzen.uni-koeln.de/

]]>
news-6139 Wed, 08 Jul 2020 11:49:51 +0200 Zwei Mitglieder der Uni Köln neu in den Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft gewählt <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6139" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Professorin Dr. Christiane J. Bruns erhält den Senatsplatz für Klinische Medizin II / Professor Dr. Andreas Speer nimmt den Platz für Kunstgeschichte und Philosophie ein Die Mitgliederversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat auf ihrer Sitzung am 1. Juli 2020 im Rahmen der DFG-Jahresversammlung Professorin Dr. Christiane J. Bruns und Professor Dr. Andreas Speer von der Universität zu Köln als neue Mitglieder in den Senat gewählt. Der Senat ist das zentrale wissenschaftliche Gremium, in dem alle Angelegenheiten der DFG von wesentlicher Bedeutung beraten und beschlossen werden. Infolge der Coronavirus-Pandemie fand die Sitzung der Mitgliederversammlung – wie alle Gremiensitzungen der DFG-Jahresversammlung – als Videokonferenz statt.

Professorin Dr. Christiane Bruns erhält den Senatsplatz für Klinische Medizin II. Sie ist Direktorin der Kölner Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Tumor- und Transplantationschirurgie. Zudem ist sie Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. „Ich freue mich sehr über die Wahl als Senatsmitglied der DFG und nehme die Herausforderung mit neuen Aufgaben gerne an. Das in mich gesetzte Vertrauen der DFG ehrt mich außerordentlich,“ so Bruns.

Professor Dr. Andreas Speer ist Direktor des Thomas-Instituts an der Uni Köln und hat den Lehrstuhl für Geschichte und Systematik der Philosophie sowie die Philosophie des Mittelalters inne. Er war bisher Sprecher des Fachkollegiums Philosophie und ist zudem Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Er übernimmt im Senat der DFG den Platz für Kunstgeschichte und Philosophie. „Als neues Mitglied in den Senat der DFG gewählt worden zu sein, ist ein großer Vertrauensbeweis. Die Mitarbeit im Senat eröffnet neue Mitwirkungsmöglichkeiten hinsichtlich der Gestaltung einer vielfältigen Forschungsförderung, die allen Wissenschaftsdisziplinen gleichermaßen zugutekommen sollte,“ so Speer.

Der Senat berät und beschließt im Rahmen der von der Mitgliederversammlung beschlossenen Grundsätze alle Angelegenheiten der DFG von wesentlicher Bedeutung, soweit sie nicht dem Hauptausschuss vorbehalten sind. Er ist damit zuständig für alle wesentlichen Entscheidungen in der Forschungsförderung im Vorfeld der konkreten Förderentscheidung sowie für alle wesentlichen Entscheidungen zur Gestaltung des Begutachtungs-, Bewertungs- und Entscheidungsverfahrens. Der Senat beschließt zudem, welche Fachkollegien zu bilden sind und wie sie sich gliedern.

Insgesamt gehören dem Senat 39 Mitglieder an. Von ihnen werden 36 von der Mitgliederversammlung gewählt; sie sind zugleich auch die wissenschaftlichen Mitglieder des Hauptausschusses. Darüber hinaus gehören die Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und der Max-Planck-Gesellschaft dem Senat kraft ihres Amtes an. Die Präsidenten der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und der Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Vorsitzende des Wissenschaftsrates sind ständige Gäste des Senats.


Presse und Kommunikation:
Jan Voelkel
+49 221 470-2356
j.voelkelSpamProtectionverw.uni-koeln.de

 

]]>
news-6135 Tue, 07 Jul 2020 13:55:34 +0200 Kölner Biologe Thorsten Hoppe ist neues Mitglied der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO) <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6135" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Mit der Aufnahme in die EMBO würdigt die europäische Organisation Hoppe für seine besonderen Verdienste in der biowissenschaftlichen Forschung. Die European Molecular Biology Organization (EMBO) hat den Molekularbiologen Professor Dr. Thorsten Hoppe vom Institut für Genetik und dem Exzellenzcluster für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln gemeinsam mit weiteren international ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Europa als neues Mitglied der EMBO ausgewählt.

Die Auswahl durch die EMBO erfolgt aufgrund wissenschaftlicher Exzellenz und bahnbrechender Forschungsleistungen der neu aufgenommenen Mitglieder. Professor Hoppe erhält die Auszeichnung unter anderem für seine Pionierarbeiten zum Verständnis der molekularen Mechanismen der Proteinhomöostase, die für altersbedingte Erkrankungen von Bedeutung sind. Der Kölner Wissenschaftler veröffentlichte eine der ersten Publikationen über die Ubiquitin-abhängige Regulation des Alterungsprozesses (Nature Cell Biology 2011). Er zeigte durch seine Forschungsarbeit im Fadenwurm Caenorhabditis elegans, Fruchtfliegen und menschlichen Zellen, wie die Ubiquitin-vermittelte Regulation des konservierten Insulinrezeptors Proteinhomöostase und Lebensalter beeinflusst (Cell 2017). In einer 2019 erschienenen Studie hat Professor Hoppe untersucht, wie sich der Geruch von Nahrung auf das dynamische Gleichgewicht zwischen der Synthese und dem Abbau von Proteinen auswirkt und aufgezeigt, wie dadurch die Zellregeneration und der Alterungsprozess multizellulärer Organismen beeinflusst wird (Nature Metabolism 2019).

Professor Hoppe, geboren 1969, hat an der Universität Heidelberg Biologie studiert und dort im Jahr 2000 am Zentrum für Molekularbiologie promoviert. Nach einer Zeit als Postdoc an der LMU München war er von 2003 bis 2008 als Forschungsgruppenleiter am Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH) der Universität Hamburg beschäftigt. Seit 2008 ist er Professor am Institut für Genetik der Universität zu Köln. Er ist außerdem geschäftsführender Direktor des CECAD Forschungszentrums und Ko-Koordinator des Exzellenzclusters CECAD. Zudem ist er für international bedeutende Wissenschaftsorganisationen und Fachjournale als Gutachter tätig.

Professor Hoppe hat für seine Forschungsarbeiten bereits zahlreiche hochrangige Auszeichnungen und Förderungen erhalten, unter anderem 2007 den EMBO Young Investigator Award (Mitglied von 2008 bis 2010), 2008 die Walther-Flemming-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie, 2013 den ERC Consolidator Grant und 2016 den Max Delbrück Preis für Lebenswissenschaften der Universität zu Köln.

Die European Molecular Biology Organization (EMBO) wurde offiziell im Jahre 1964 gegründet. Der europäischen Organisation für Molekularbiologie gehören als Mitglieder mehr als 1.800 international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich der Lebenswissenschaften an. Unter den Mitgliedern der EMBO waren bisher insgesamt 88 Nobelpreisträger. Die EMBO unterstützt herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und fördert den wissenschaftlichen Austausch im Bereich der Lebenswissenschaften.
 

Inhaltlicher Kontakt:
Professor Dr. Thorsten Hoppe
Exzellenzcluster CECAD / Institut für Genetik
Universität zu Köln
+49 221 478-84216
office-hoppeSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Mathias Martin
+49 221 470-1705
m.martinSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Weitere Informationen:
https://www.embo.org/
www.hoppelab.uni-koeln.de
https://www.cecad.uni-koeln.de/research/principal-investigators/prof-dr-thorsten-hoppe/

]]>
news-6134 Tue, 07 Jul 2020 13:36:01 +0200 Philipp Schwartz-Initiative: Ein gefährdeter Forscher kommt mit Fellowship an die Uni Köln <n:link newsItem="GeorgRinger\News\Domain\Model\NewsDefault:6134" settings="Array" uriOnly="1" configuration="{forceAbsoluteUrl:1}" /> Universität zu Köln erneut erfolgreich bei der Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung / 104.000 Euro für ein Fellowship für einen gefährdeten Wissenschaftler Die Universität zu Köln war in der siebten Ausschreibungsrunde der Philipp Schwartz-Initiative erneut erfolgreich und hat Fördermittel im Umfang von 104.000 Euro für die Einrichtung eines Fellowships zugunsten eines gefährdeten Wissenschaftlers eingeworben. Damit konnte die Universität zu Köln in allen bisherigen sieben Auswahlrunden der Philipp Schwartz-Initiative mindestens ein Fellowship einwerben und gehört dank der Förderung der Alexander von Humboldt-Stiftung zu den deutschen Universitäten, die die meisten gefährdeten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen.

„Wir sind der Alexander von Humboldt-Stiftung dankbar für die großzügige Förderung, die inzwischen elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Fluchthintergrund dabei unterstützt hat, in Köln eine neue akademische Heimat zu finden und die eigene wissenschaftliche Karriere wiederaufzunehmen. In vielen Fällen wird damit auch den angehörenden Familien eine neue Zukunftsperspektive eröffnet“, erklärt Dr. Johannes Müller, Leiter der Abteilung Internationale Wissenschaft der Universität zu Köln.

Insgesamt konnten bisher 15 gefährdete bzw. geflüchtete Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an der Universität zu Köln an unterschiedlichen Forschungsgruppen aufgenommen werden, elf davon als Philipp Schwartz-Fellows. Sie werden von den jeweiligen Lehrstühlen und Instituten zusammen mit dem International Office organisatorisch unterstützt. Die bisherigen Stipendiaten stammen aus Syrien, Türkei, Irak und Kamerun und werden in ihren Heimatländern aus politischen, religiösen oder ethnischen Gründen verfolgt.

Mit der Philipp Schwartz-Initiative erhalten Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland die Möglichkeit, gefährdete Forschende im Rahmen eines Vollstipendiums für 24 Monate aufzunehmen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer Verlängerung im Rahmen eines Kofinanzierungsmodells. Finanziert wird diese Initiative durch das Auswärtige Amt, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Andrew W. Mellon Foundation, die Fritz Thyssen Stiftung, die Gerda Henkel Stiftung, die Klaus Tschira Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, den Stifterverband sowie die Stiftung Mercator.

Inhaltlicher Kontakt:
Dr. Heike Berner
Dezernat 9, Abt. 94, Internationale Wissenschaft
+49 221 470-5427
h.bernerSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Robert Hahn
+49 221 470-2396
r.hahnSpamProtectionverw.uni-koeln.de

Weitere Informationen:
https://www.humboldt-foundation.de/web/philipp-schwartz-initiative.html

]]>